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Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union · 1908-02-01 · 2 (2.1908) · p. Seite 18

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Journal
Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
Volume
20 (1908)
Issue
2 (2.1908)
Date
1908-02-01
Page
Seite 18 (sequence 18)
Language
German
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18 Vernichtung jüdischer Existenzen durch den Wiener Stadtrat. Vom Wiener Gemeinderat wurde seinerzeit beschlossen 75 Prozent jener Beamten der Internationalen Elektrizitäts-Gesellschaft, welche österreichische Staatsbürger sind, zu übernehmen. An diesen ßeschluss wurde aber die drückende Klausel angefügt, dass die übernommenen Beamten aller Kategorien zwei Jahre provisorisch verbleiben müssen, ehe sie definitiv angestellt werden. Auf eine diesbezügliche Interpellation im Stadtrat hat dann der referierende Vizebürgermeister noch hinzugefügt: „Wir können nach zwei Jahren diese Beamten definitiv machen, wir müssen aber nicht," Der Uebeinahmstermin war für den 1. Mai 1908 festgesetzt und im Stadtrat wurde beschlossen, mindestens drei Monate vorher alle Beamten zu verständigen, ob und zu welchen Bedingungen ihre Uebernahme in städtische Dienste erfolgt, damit jeder genügend Zeit hat, sich zu entscheiden. Schon im Oktober 1906 mussten alle ihre Gesuche überreichen und wurde ihnen hierbei vom Direktor der städtischen Elektrizitätswerke eine Erledigung noch im selben Jahre zugesagt. Ausländern wurde nahegelegt, ehebaldigst die Zuständigkeit anzustreben, damit ihrer Aufnahme nichts im Wege stehe. Hierbei ergab es sich, dass Gesuche um freiwillige Aufnahme von Ausländern, welche sich erst wenige Jahre in Wien aufhielten und und selbst solchen von Minderjährigen bei Angabe des Zweckes vom Heimatsrechtsausschusse im Rathause anstandslos Folge gegeben wurde, wenn sie den „Taufschein" beigebracht hatten, während Juden ausnahmslos mit ihrem Ansuchen abgewiesen wurden. Es verging 1906, 1907, allmählich rückte der Endtermin, nämlich Ende Jänner 1908, heran und die Beamtenschaft wusste trotz Stadtratsbeschlusses noch immer nicht, was mit ihr geschehen werde. Erst am 5. Februar wurden in Kürze die Namen jener Beamten bekanntgegeben, welche laut Stadtratsbeschluss im Prinzip übernommen werden sollen — die Hauptsache aber, nämlich Angabe, unter welchen Bedingungen, mit welchem Gehalte etc., unterblieb, und es hiess nur, dass die Einteilung in die entsprechenden Gehaltsstufen zu einem späteren Termin bekanntgegeben werde. Der Büi germeister, der erst vor kurzem einer Abordnung von Omnibusbediensteten, welche bei ihm vorsprach, auf einen Einwurf, dass sich bei dieser Gesellschaft auch viele jüdische Angestellte befinden, die nun ihr Brot verlieren, in leutseliger Weise entgegnete, dass dies nichts mache, da auch dem armen Juden der Hunger weh tue, liess es ruhig geschehen, dass sich auf der Liste der im Prinzip provisorisch übernommenen Beamten der Internationalen Elektrizitäts-Gesellschaft auch nicht ein Jude befindet!

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