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Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union · 1908-02-01 · 2 (2.1908) · p. Seite 16

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Journal
Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
Volume
20 (1908)
Issue
2 (2.1908)
Date
1908-02-01
Page
Seite 16 (sequence 16)
Language
German
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16 11 a u t von sich geben konnte. — Eine Anfrage, die wir an die Güterabfertigungsstelle in Gross-Strelilitz gerichtet haben, ergab, dass die ganze Erzählung, die in verschiedenen Variationen bereits in ganz Oberschlesien verbreitet ist, von A bisZ erlogen ist. Es ist auf das allerschärfste zu verurteilen, dass Eisenbahnbeamte solche Geschichten erfinden und kolportieren, die gerade bei der oberschlesischen Bevölkerung, insbesondere nach den russischen Beispielen, leicht zu schlimmen Judenverfolgungen führen können. Das ist ein grober Unfug, der strenge Ahndung verdient. Mädchen-Entführungen ohne Ende. Die minderjährige Anna Drachler befindet sich seit sechs Wochen im Kloster der Felicianerinnen in Krakau, wo sie Unterkunft fand und zur Taufe vorbereitet wird. Das Kloster hat die Eltern nicht einmal verständigt, dass das Mädchen sich dort befindet und nur durch Zufall haben die Eltern vor einigen Tagen von dem Aufenthalt ihrer Tochter erfahren. Die Oberin des Klosters verweigerte der Mutter den Zutritt zu ihrem Kinde und erst über Intervention unseres Anwaltes Dr. Eaphael L a n d a u bei der Krakauer Polizeidirektion wurde das Kloster gezwungen, der Mutter den Zutritt zu gewähren. Ein Polizeikommissär begab sich mit Dr. Landau ins Kloster, wo die Mutter ihre Tochter sprechen konnte. Das Mädchen erschien in Begleitung zweier Klosterschwestern, war jedoch hinter eine Barriere gestellt und konnte die Mutter nur so, von ihrer Tochter abgesondert, mit ihr sprechen. Unbegreiflicherweise verbot der Polizeikommissär der Mutter, mit ihrer Tochter im Jargon zu sprechen. Selbstverständich verweigerte die Tochter die Rückkehr ins Haus; wird ja doch den dort befindlichen, jüdischen Mädchen, wie unlängst die aus dem Kloster entwichene Lea Gänger aussagte, eingeschärft, dass sie ins elterliche Haus nicht zurückkehien sollen. Dr. Landau wird nun gerichtliche Schritte unternehmen, um die Abnahme des Mädchens aus dem Kloster durch das Gericht zu veranlassen. Unser Rechtsschutzbureau wird diese Klosterafiären, insbesonders die diesbezügliche Tätigkeit des Klosters der Felicianerinnen in Krakau zum Gegenstande einer parlamentarischen Aktion machen. * * * Aus Warschau wird berichtet: „Nicht nur in Galizien herrscht der geduldete Unfug, jüdische Mädchen gewaltsam ins Kloster zu entführen und sie dort zu taufen. Auch in Russisch- Polen häufen sich jetzt die Fälle, in denen jüdische Mädchen förmlich geraubt und in einem Kloster verborgen werden, aus dem dann jede Rettung ausgeschlossen erscheint. Jetzt herrscht in der Warschauer Judengemeinde wieder grosse Erregung über

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