Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Journal
- Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Volume
- 20 (1908)
- Issue
- 2 (2.1908)
- Date
- 1908-02-01
- Page
- Seite 15 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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15 Mathematik, Physik und Naturgeschichte an einem Staatsgymnasium. Das Mädchen nannte den Namen und die Adresse des Professors. Vor drei Wochen, so erzählte die Marie B i e 1 a, sei ihr schon, während sie schlief, Blut abgezapft worden. Sie bemerkte am nächsten Morgen einen Stich im linken Oberarm, fühlte sich müde und abgespannt und konnte zwei Tage den Arm kaum bewegen. Am Montag — so gab sie weiter an — hörte sie, wie sich der Schwiegervater ihres Dienstgebers äusserte, dass man das Mädchen jetzt keinesfalls entlassen dürfe, da man zu den bevorstehenden jüdischen Osterfeiertagen ihr Blut brauche. Das Mädchen blieb fest dabei, diese Aeusserung deutlich vernommen zu haben, und gab ferner an, dass der Schwiegersohn auch noch der Aeusserung seines Schwiegervaters beigepflichtet hätte. Die Anzeige wurde in so bestimmter Form erstattet, dass sich das Polizei-Kommissariat Währing, trotz der offenkundigen Unwahrheit der Angaben des Dienstmädchens, zur Einleitung sofortiger Erhebungen veranlasst sah. Diese Erhebungen ergaben ein Resultat, wie es die Anzeigerin wohl nicht erwartet hatte. So weit sich nämlich die Abstammung des Professors und seiner Frau verfolgen lässt, wurde festgestellt, dass sie christlicher Abstammung sind. Selbst wenn die Dienstgeber jüdischer Konfession gewesen wären, wäre die Anzeige eine unsinnige gewesen. Durch die Feststellung, dass der Professor und seine Frau Katholiken sind, wurde die von vorneherein unglaubwürdige aber mit voller Bestimmtheit vorgebrachte Beschuldigung am besten widerlegt. Gegen Marie B i e 1 a wurde nunmehr die Untersuchung wegen Irreführung der Behörde eingeleitet. * # * Eine gruselige Geschichte erzählte dieser Tage ein aus Oppeln (Ober-Schlesien) kommender „besserer Bahnbeamter" in Gross-Strehlitz. Danach sollte ein Förster, der an der Beerdigung der ermordeten Frau des Hegemeisters Hinke aus Kadlub-Turawa teilgenommen hatte, einen Hund, der als Frachtgut gesandt worden war, vom Güterboden Oppeln abgeholt haben. Als der Hund aus der Transportkiste befreit war, sei er sofort auf eine andere auf dem Güterboden lagernde Kiste zugelaufen, die er schnuppernd und winselnd umkreist habe. Trotz aller Lockungen wollte er die Kiste nicht verlassen. Der Förster, der seinen Hund genau kannte, erklärte, dass dessen Benehmen auf einen lebendigen Inhalt der Kiste schliessen lasse. Die Kiste, die von einem Juden aufgegeben sein sollte, wurde geöffnet und es fand sich — ein etwa 20jähriges Mädchen (natürlich ein Christenmädchen), in dessen Mund ein mit Essig getränkter Schwamm gepresst war, so dass es keinen