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Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union · 1908-02-01 · 2 (2.1908) · p. Seite 14

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Journal
Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
Volume
20 (1908)
Issue
2 (2.1908)
Date
1908-02-01
Page
Seite 14 (sequence 14)
Language
German
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14 achtet lässt die Regierung die diesbezüglichen Dekrete nicht im Amtsblatte erscheinen. Während in der Kammer bei der Abstimmung über Naturalisierungsgesuche, die ihr mit einem günstigen Referat des Justizministers zugehen müssen, einfache Majorität genüge, sei im Senate Zweidrittel-Majorität erforderlich, und auf diese Weise geschehe es, dass derartige Gesuche, die von der Deputiertenkammer angenommen wurden, vom Senate abgewiesen werden. In dem Memorandum, welches der damalige rumänische Minister des Aeussern B. Boerescu in der Zeit der Abänderung des § 7 der rumänischen Verfassung den Signatarmächten des Berliner Vertrages sandte, hatte derselbe behauptet, dass sich die Lage der Juden in Rumänien bedeutend bessern werde. Aus unserem Rechtsschutz- und Abwehr-Bureau. Wie „Ritualmorde" entstehen. Fast alljährlich werden vor den jüdischen Osterfeiertagen von Dienstmädchen Anzeigen bei der Polizei erstattet, dass ihre Dienstgeber den Versuch gemacht oder auch den Plan ausgeführt hätten, dem Mädchen Blut abzuzapfen. Diese Anzeigen, so unsinnig sie auch sind, werden von der Polizei mit peinlicher Genauigkeit geprüft, und da sich selbstverständlich die Unwahrheit der in der Anzeige aufgestellten Behauptungen herausstellt, werden in den meisten Fällen die Anzeigerinnen wegen Irreführung der Behörde zur Verantwortung gezogen. Ein derartiger Fall hat sich, wie wir erfahren, dieser Tage in Währing ereignet. Ein Mädchen beschuldigte seine Dienstgeber eines angeblich beabsichtigten Ritualmordes. Die Anzeigerin war der Meinung, dass ihre Dienstgeber jüdischer Konfession seien. Bei der polizeilichen Einvernahme der Beschuldigten stellte sich heraus, dass der Dienstgeber des Mädchens, wie auch dessen Frau, Christen sind und dass auch die Grosseltern und Urgrosseltern des Ehepaares Christen waren. Am 4. d. M. erschien die 24 jährige Dienstmagd Marie B i e 1 a im Redemptoristen-Kioster in der Witthauergasse in Währing und teilte dort mit, dass sie aus ihrem Dienstorte geflüchtet sei, weil die Dienstgeber an ihr einen Ritualmord verüben wollten. In Begleitung der Schutzdame der Wiener Bahnhofmission Frau Josefine v. Lachmann wurde nun das Dienstmädchen zum Polizei-Kommissariate Währing geschickt, wo die Anzeige erstattet wurde. Marie B i e 1 a erzählte dort, dass sie bei einer jüdischen Familie in Währing bedienstet gewesen sei. Der Mann sei Arzt, übe jedoch die Praxis nicht aus, sondern wirke als Professor der

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