Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Journal
- Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Volume
- 20 (1908)
- Issue
- 2 (2.1908)
- Date
- 1908-02-01
- Page
- Seite 11 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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11 Rassenhochmut ist unter allen Umständen eine Torheit. Wie kann sich ein vernünftiger Mensch etwas auf eine zufällige Gemeinschaft einbilden, der bestimmt auch Räuber, Diebe, Mörder und Verworfene aller Art zugehören?! Einem Deutschen steht solcher dem Juden gegenüber gehegter Dünkel sogar am schlechtesten an, denn das deutsche Volk verdankt seine geläuterte gemeinsame Schriftsprache der Lutherischen Uebersetzung, der jüdischen und der von Juden herrührenden Bibel, und in den Adern der heutigen Deutschen fliegst bestimmt nicht weniger jüdisches Blut, als solches im Mittelalter in den deutschen Landen vergossen worden; das bedeutet viel. Betrachten wir einmal die Geschichte der in der Zeit vom elften bis zum sechzehnten Jahrhundert in den deutschen Staaten befindlichen Juden; sie ist mit Blut geschrieben und nimmt sich wie ein riesiges Tagebuch eines Henkers aus. Alles Böse, Grausame und Ekelhafte, alles Schmachvolle, das Aberglaube, Vorurteil, Barbarei und Glaubensfanatismus zu verüben vermögen, wurde damals auf deutschem Boden an Juden begangen. Sehr viele sind zu Tode gequält, Hunderttausende erschlagen worden und Millionen haben sich in einer zwischen Not und Tod schwebenden Pein befunden. Für unsere wütend verfolgten Stammesangehörigen hat es damals nur eine einzige sichere Zufluchtstätte gegeben, den Schoss der Kirche, der wurde aber bei dem Glaubensmute, von dem die allermeisten beseelt waren, strenge gemieden. Das hat indes nicht gehindert, dass ihn Schwächere, denen Leben und Lebensglück wichtiger waren als die angestammte Religion, doch aufgesucht; konnte nicht hindern, dass sich mitunter verzweifelte Menschen in den Schoss der Kirche von drohenden Mörderhänden hineintreiben Hessen, und hat auch die Unmündigen und die der Eltern beraubten oder verlassenen Kinder nicht immer und überall den mit allen Mitteln betriebenen Seelenjagden zu entrücken vermocht. So sind im Laufe jener Jahrhunderte tatsächlich Hunderttausende Juden aus dem religiösen Verbände Israels geschieden und vom deutschen Volke aufgenommen worden. Keine Statistik meldet ihre Zahl, samt und sonders sind sie verschollen und niemand kann wissen, wo sich der eine oder andere Teil ihrer nach Millionen zählenden Nachkommenschaft befindet, nur eines ist sicher: es findet sich unter hundert Deutschen nur selten einer, dessen Stammbaum nicht irgend eine jüdische Wurzel hat. Welch ein lächerlicher Kauz ist so ein christlich germanischer Rassenantisemit! Blut jüdischer Herkunft rollt in seinen Adern, eine aus dem Judentume hervorgegangene Religion beherrscht sein Gemüt und durch seinen von einer Jüdin geborenen Heiland, der Nächstenliebe gelehrt, will er selig werden, und dabei erglüht er inJudenhass; wenn das nicht widernatürlich ist, dann stellt diese