Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Journal
- Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Volume
- 20 (1908)
- Issue
- 2 (2.1908)
- Date
- 1908-02-01
- Page
- Seite 9 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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9 Amoriter abgelernte Verehrung durch Kinderopfer und der der Chethiterin nachgeahmte schamlose Wahnwitz als Religionsbrauch. Die aus fünf ebenmässigen Strophen, welche 63 Verse umfassen, bestehende Strafrede ist ein von kühner Phantasie getragenes dichterisches Kunstwerk dessen Bestandteile Metaphern, Allegorien, Gleichnisse bilden und mehr oder minder deutliche Hinweise und Anspielungen auf geschichtliche Ereignisse. Eingeleitet wird das Kapitel mit einer Anspielung auf eine Zeit, wo dieDawidische Dynastie, welche den Propheten mit Jerusalem identifiziert, bis auf ein todgeglaubtes Kind erloschen war und eine dem Baaldienste fanatisch ergebene Frau verworfenster Art, welche durch Tötung aller auffindbaren männlichen Angehörigen der Königsfamilie sich der Regierung bemächtigt hatte, den Staat dem phönizischen Heidentume vollends ausgeliefert. Aus dem Blutbade, welches Athalia, die Tochter des den Religionsbräucben der Amoriter anhänglichen Königs Achab, angerichtet, ist ein zartes Kind gerettet worden, das man sechs Jahre verborgen gehalten. Von seiner entmenschten Grossmutter, wie alle anderen Prinzen, dem Tode geweiht, jedoch aus der Mitte der Ermordeten hervorgeholt und bewahrt, ist der Knabe mit sieben Jahren im Heiligtume des Herrn von den Gottgläubigen zum Könige ausgerufen, auf den Thron gekommen; mit diesem Findlinge begann die Dynastie Jerusalems vom neuen.*) König Joasch und sein nächster Nachfolger waren indes charakterschwache unfähige Herrscher und ihr unbedeutendes Reich verfiel bald nach dieser, bald nach jener Richtung in schimpfliche Abhängigkeit, doch unter dem dritten Monarchen, unter Usijahu, standen Königshaus und Staat wirklich verjüngt und kräftig da und war das judäische Reich ein von allen Seiten begehrter und geehrter Bundesgenosse. Die politische Bedeutung und der Wohlstand hatten jedoch, anstatt die Dankbarkeit Gott gegenüber zu fördern, nur erneuerten Abfall zur Folge, welcher der Dynastie und dem Volke und Staate verderblich wurde. Das ist in den Hauptzügen der geschichtliche Hintergrund und Gedankengang des Kapitels. Die Ausdrücke Vater und Mutter sind wenigstens, insoweit selbe die Bevölkerung Jerusalems betreffen, so wenig leiblich zu nehmen, wie die übliche Bezeichnung „Pater", wo von einem katholischen Geistlichen die Rede ist. Uebrigens zeigen die Stellen, Kap. 20, 5 und Kap. 33, 24 im Buche Jecheskiel, dass der Prophet über die Abstammung der Juden nicht anders gedacht hat als seine Vorgänger und Nachfolger und sagt er in demselben Kapitel, Vers 44, 45 ganz deutlich, dass die Worte Amoriter und Chethiterin als Gleichnisse zu gelten haben. *) Wer wollte von einem über die Bibel wie ein Schmetter- *) Könige II, Kap. 10 und 11. Chronik II, Kap. 22 und 23. *) Beachtenswert ist bezüglich ein in der Berliner „Vossischen Zeitung" vom 27. April 1906 veröffentlichter Bericht über das „Wiederaufleben des alten Kanaan in den palästinischen Ausgrabungen"; darin heisst es: „Ueberall