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Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union · 1908-02-01 · 2 (2.1908) · p. Seite 8

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Journal
Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
Volume
20 (1908)
Issue
2 (2.1908)
Date
1908-02-01
Page
Seite 8 (sequence 8)
Language
German
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8 einen Scheingrund haben, Rede- und Schriftkünstler, die ihre Zuhörer oder Leser ebenso zu überraschen wissen, wie geschickte Seiltänzer ihre Zuschauer, Virtuosen des Scheines, die ihre Gegner durch auf falsche Prämissen aufgebaute, verblüffend kühne Trugschlüsse zu verwirren und ins Unrecht zu stellen verstehen, schrecken vor keiner Wahrheit und Wirklichkeit zurück; warum hatte der Biedere den bestechend originellen Einfall auf seinen Wahrheitsgehalt prüfen sollen? Anstatt dessen war er bemüht, das Produkt einer von Hochmut und Bosheit getragenen Phantasie durch allerlei Beiwerk aufzuputzen, darunter auch durch Missbrauch eines Prophetenwortes, welches er so wenig verstanden, als er es verstehen wollte; er schreibt: ,.So lässt denn auch der Prophet Hesekiel (Kap. XVI) der Stadt Jerusalem von Gott zurufen : Von Ursprung und von Geburt bist Du eine Kanaaniterin; Dein Vater war ein Amoriter, Deine Mutter eine Chethiterin!" Und dann wirft er den israelitischen Bewohnern vor, wie sie sich mit diesen fremden Elementen vermengt hatten. „Also triebst Du.....*) dass Du einen jeglichen, wer vorüberging, gemein gemacht und tatest seinen Willen", eine Naivität des frommen Juden, da die Grossen des Reiches mit dem Beispiel nicht gekargt hatten und er selbst, als Jerusalemit das Kind dieser dreifachen Bastardierung war." Die Vorsicht, welche der famose Wahrheitsforscher bei der Anführung der zwei Verse gebraucht, entspricht ganz der Behutsamkeit, mit der er dem Inhalte des Kapitels überhaupt ausgewichen. Das Kapitel beginnt mit den Worten : „Und es war das Wort des Ewigen an mich, also lautend: Menschensohn lasse Jerusalem wissen ihre Greuel und sprich: So spricht Gott der Ewige zu Jerusalem: Deine Verwandtschaft und die Dich geboren, sind aus dem Lande der Kanaaniten, Dein Vater der Amorite und Deine Mutter eine Chethiterin." Die andere Stelle (Vers 15) lautet wörtlich wie folgt: „Und Du vertrautest auf Deine Schönheit und buhltest auf Deinen Ruf vertrauend und verschwendetest Deine Buhlschaft an jeglichen Vorüberziehenden, sie ward jedem zuteil." Was mit dem sonst für Untreue im Ehestande gebrauchten Ausdrucke gemeint ist und worin die Greuel Jerusalems bestanden, wird in den darauffolgenden 19 Versen in nicht misszuverstehender Weise sehr ausführlich dargelegt. Der Prophet spricht von der Untreue Gott gegenüber, durch Anaahme der phönizischen Götterkulte und der mit ihr identischen Aneignung der grausamen und unzüchtigen Religionsbräuche der früheren Landesbewohner und rügt auch strenge die leichtfertig eingeführte Verehrung der Gottheiten der verschiedenen politischen Bundesgenossen. Sein heftigster Widerwille kehrt sich gegen den Baaldienst, den Adoniskultus und die Molochverehrung, seine grösste Entrüstung erregen die dem *) Wir geben hier das Wort nicht, welches er fälschlich anstatt des Wortes „Buhlerei" setzt, weil es zu roh und gemein ist.

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