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Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union · 1908-02-01 · 2 (2.1908) · p. Seite 4

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Journal
Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
Volume
20 (1908)
Issue
2 (2.1908)
Date
1908-02-01
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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4 Wochen äussert aktuelle Thema hatte eine zahlreiche Hörerschar angelockt, die den formvollendeten und gediegenen Ausführungen des Vortragenden mit gespannter Aufmerksamkeit folgte. Der Vorsitzende, Vizepräsident Dr. 0 r n s t e i n, eröffnet die Versammlung mit einer kurzen Würdigung der Verdienste des Vortragenden und erteilt sodann Herrn Dr. Feuchtwang das Wort. Er sagte ungefähr das folgende: Rabbiner Dr. Feuchtwang: Meine Damen und Herren! Sie werden begreifeD, dass ein Thema von solcher Bedeutung und von solcher Tiefe, wie das hier zur Diskussion gestellte, nicht in kurzer Zeit erledigt werden kann. Ich beabsichtige daher nur, Ihnen die Meinung einiger grosser Männer über diese Frage und auch meine bescheidene Meinung zu geben, und bitte Sie, meine Ausführungen von dem Gesichtspunkte zu betrachten, dass ich hier kein Amt, sondern eine Meinung habe. Bevor wir auf das Thema näher eingehen, müssen wir uns vor allem darüber klar werden : Was ist das Judentum? Auf diese Frage werden Sie die verschiedensten Antworten erhalten; die einen behaupten, das Judentum sei heute nicht mehr das, was es war, es sei nur mehr eine auf dieselbe Abstammung zurückgehende Volksmenge; andere bezeichnen es als Religionsgesellschaft, wieder andere als Nation. Viele auch sind der Ansicht, dass diese beiden Begriffe sich beim Judentum teils decken, teils ergänzen. So sagt R i e s s e r: Unsere nationale Existenz ist, was bei anderen Nationen des Altertumes nicht der Fall war, die äussere Form, die Trägerin eines religiösen Daseins gewesen; dieses ist als der unvergängliche Inhalt aus der zerschlagenen Form hervorgegangen; die Religion hat, wie der unsterbliche Geist, den sterblichen Leib des Volkstums überdauert. Als Nation würden sich unter den zivilisierten Völkern Europas ebenso wenig Juden finden, wie sich Gothen und Hunnen unter ihnen finden; aber die Juden haben sich unter ihnen erhalten als Religionsgesellschaft." Gregorovius meint: „Das älteste, kosmopolitische Volk der Erde ist das hebräische. Seine rätselhafte Tat, lange vor Sokrates, Seneca, Epiktet, vor Alexander, Paulus und Marc Aurel war die Entdeckung der Einheit des physischen und moralischen Kosmos, mit einem Worte des Monotheismus." Der Vortragende führt nun des Näheren aus, dass das Judentum nur Lebensberechtigung habe, wenn es nachweisen könne, dass sein historisches Charakteristiken noch fortbestehe; dies könne aber nur die Religion und niemals die Nationalität allein sein, da diese letztere niemals das allein zusammenhaltende Element im Judentume gewesen sei; er gelangt zu dem Schlüsse: Für mich ist also bei der Relation „Judentum und freie Forschung" in dem Begriff ..Judentum" lediglich das Judentum ab Religionsgemeinschaft verstanden. Das ist übrigens auch selbst-

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