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Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union · 1908-01-01 · 1 (1.1908) · p. Seite 36

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Journal
Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
Volume
20 (1908)
Issue
1 (1.1908)
Date
1908-01-01
Page
Seite 36 (sequence 39)
Language
German
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36 Wohltätigkeit, die der Hochgeboreue eist vor kurzem hei einer Anzahl hübscher Prager Jüdinnen so smart durchgeführt. So räsonnierten die Beamten, die über das, was sie unter sich eine unernörte Frechheit nannten, im höchsten Grade empört waren. Budapest. (Ein israelitischer Landes kongress.) Am 20. d. M. hat hier eine Plenarsitzung des israelitischen Landesd strikts stattgefunden, in der eiu Erlass des Kultusministers Grafen Albert Apponyi an die israelitische Landeskauzlei zur Verlesung kam, in dem der Minister die Kanzlei aufforderte, einige Verfügungen zu treffen, damit die Versammlung der israelitischen Distriktsrepräsentanteu dem Minister ein Gutachten darüber abgebe, welche Verfügungen sie zur Einberufung eines israelitischen Landeskongresses für zweckmässig erachten winde, der berufen wäre, p ne einheitliche Organisation der ganzen israelitischen Konfession zu schaffen. Präsident Dr. Moritz Mezei führte aus, dass der Erlass des Ministers jedenfalls die wichtigste Aeusserung sei, die seit 35 Jahren in der Sache der ungarischen Judenschaft von oben erflossen sei. Die Versammlung fasste den Beschluse, dass sie dem Minister, der die autonome Organisation für die nahe Zukunft in Aussicht stellt. Dank sage und von der Versammlung der Distriktsrepräsentanten erwarte, sie werde der Aufforderung nachkommen und die vom Minister verlangte Unterbreitung je früher machen, damit der Kongress womöglich noch in diesem Jahre abgehalten werden könne. Vom Büchertisch. Der P/OZe&S Hllsner, Aktenauszug veifssst von Maximilian Paul- Schiff, Wien 1908. Herr Paul-Schiff, eii.er der bedeutendsten Wiener Grossindustriellen, ist ein uutiger Mann und hat dies wiederholt durch sein öffentliches Auftreten im Dienste einer ehrlichen Maunesüberzeugung bewiesen. Zu verwundern ist nur, dass er noch nicht die Erkenntnis gewonnen hat, wie sehr selten irgend ein nennenswerter Erfolg sich an das wenn auch noch so mannhafte Eintreten für Kecht und Wahrheit knüpft Besonders in Oesterreich, dem Lande der Partei- und Sonderinteressen auf allen Gebieten. Und weuu er diese Erkenntnis auch gewonnen, so ist;s doch zu begreifen, dass er nicht stummer Zuschauer bleibt angesichts eines „Rechtsfalles" wie der des Schiutergesellen Hilsner von Polna. Ueber diesen Fall einfach zur Tagesordnung oder in Oesterreich -Unordnung überzugehen, ist lebhaft empfindenden, mit hochentwickeltem Rechtsbewusstsein ausgestatteten Naturen einfach unmöglich. Alles im Menschen bäumt sich dagegen auf. Und das heilige Anrecht jedes Menschen auf Wahrung von Recht und Gerechtigkeit liess Herrn Paul-Schiff sich jenen anreihen, die das öffentliche Gewissen für den angeblichen „Mörder" von Polna aufrütteln wollen. Viele habens schon versucht, keinem ists gelungen. Weder wissenschaftliche Beleuchtung, noch offene Anklagen gegen die Hüter des Rechtes, noch Parlamentsinterpellationen habens vermocht. Zu viele sind daran interessiert, dass nicht nur an den Mauern des Felicianerinnen-Klosters in Krakau, sondern auch an jenen des Zuchthauses in Stein die Staatsgewalt aufhöre. In die Werkstätte der gegenwärtigen politischen Machthaber in Oesterreich darf vorerst noch kein kritischer Lichtstrahl fallen. In denkbar nüchternster objektivster Weise ist in dem Paul-Schiffschen Buche das gesamte Aktenmaterial dieses Prozesses zusammengetragen. Die Tatsachen sollen allein für sich sprechen. Und sie sprechen deutlich genug für jedermann. Ein beschämendes „Kultur"-Denkmal für das Oesterreich der Gegenwart, in dem blindwütige skrupellose Verhetzung bis zu den höchsten Ehrenstellen, die nebenbei oft einträglich sind, führte. Wird erst die heutige Periode in Oesterreich zu den überwundenen gehören, und sie wird dies in nicht allzuferner Zeit, dann wird das Paul-Schiff'sche Buch dem Kulturhistoriker eine daukhare Quelle sein. Rabbiner Dr. Tänzer-Göppingen.

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