Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Journal
- Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Volume
- 20 (1908)
- Issue
- 1 (1.1908)
- Date
- 1908-01-01
- Page
- Seite 28 (sequence 31)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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28 industriell für den Weltmarkt, namentlich Konfektionsindustrien, sich sehr wohl auf die billige und in dieser Beziehung hoch qualifizierte Berufsarbeit der russischen Juden stützen könnten, die man zu dem Zwecke in Palästina ansiedeln könnte. Selbst die Schwitzhöllen des Eastend in London und New-York bedeuten ja für diese Unglücklichen eine Erlösung, da sie doch wenigstens für Leib und Seele Sicherheit geniessen, und sie könnten bei den billigen Preisen der Lebensmittel r an entlich dann von Palästina aus mit Erfolg auf dem Weltmarkt konkurrieren, wenn es gelänge, auch nur die Ausbeutung durch die städtische Grundrente zu verhindern; und das wäre auf dem Wege einer grossen Baugenossenschaft mit eigenem Grurideigentume unschwer zu erreichen. Dagegen stehe ich der Ansicht skeptisch gegenüber, dass es möglich sein würde, auch den Betrieb und Absatz einer solchen Industrie genossenschaftlich zu organisieren; gerade hiebei ist die Initiative des einzelnen Unternehmers noch weniger zu entbehren als andeiswo. Viel erfreulicher als dieser blosse Notbehelf, zu dem man unbedenklich nur greifen darf, weil die armen Menschen heute tatsächlich unter dem Schwerte des Mörders leben, ist die von einem Zionisten und teilweise mit zionistischen Mitteln begründete Organisation des Kunsthandwerkes, die der „Bezalel" eingeleitet hat. Der berühmte Bildhauer Boris Schatz, ein Schüler Antokolskis und früher Organisator der Teppichknüpferei in Bulgarien, hat sich in uneigennützigster Weise in den Dienst des von ihm erdachten Planes gestellt, die Juden Palästinas in allerhand Kunstgeweiben auszubilden, um ihnen so eine kulturlich und wirtschaftlich höhere Existenz zu erschliessen. Es werden dort kunstgewerbliche Lehrer und Zeichner ausgebildet, ferner werden Handweiker in Abendschulen im Zeichnen, Modellieren, Rechnungswesen usw. gefördert und schliesslich werden Lehrlinge in verschiedenen Zweigen des Kunstgewerbes unterrichtet. Die Teppichknüpferei, für die die bedeutendsten jüdischen Maler prächtige, stilreine Muster entworfen haben, beginnt bereits ihre Erzeugnisse edelsten Geschmackes auf den Markt zu bringen und kann wohl, wenn man die Erfahrungen anderer Länder zugrunde legt, bei einer sozialpolitischen Gesichtspunkten entsprechenden Organisation des Absatzes im Laufe der Zeit Tausende von Familien in veredelnder und lohnender Arbeit behaglich ernähren. Die anderen Aleliers für Holzschnitzerei, Metalltechnik, Steinarbeiten usw. weiden nach Massgabe der zufliessenden Mittel eingerichtet und erweitert werden und versprechen gleichfalls reichen Segen zu bringen. Diesen Plänen kommt dabei zustatten, dass Palästina ein Land des grössten Fremdenbesuches ist, dem ein grosser Absatz an „Reiseandenken" und Gegenständen des Kultbedarfes gesichert erscheint. Wenn wir noch erwähnen, dass der Jewish Colonial Trust