Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Journal
- Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Volume
- 20 (1908)
- Issue
- 1 (1.1908)
- Date
- 1908-01-01
- Page
- Seite 29 (sequence 32)
- Language
- German
- Belongs to
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29 (die zionistische Nationalbank) im Laufe der Zeit in allen grösseren Orten des Landes Filialen errichtet hat, in denen das Bankgeschäft betrieben wird, und dass sie mehrere kommerzielle und industrielle Zweckgesellschaften mitfinanzierte, die den Handel und die Industrie des Landes zu heben bestrebt sind, so ist im wesentlichen alles gesagt, was über die Gegenwartsarbeit der zionistischen Bewegung gesagt werden kann. Was seine Zukunft bringen wird, steht dahin. Wir, die wir uns zusammengefunden haben, Kultureuropäer und Kulturjuden, Humanisten und Nationaljuden, Praktiker und Romantiker, wir unterschätzen die Schwierigkeit, die unendliche Schwierigkeit unserer Aufgabe nicht im mindesten, aber wir sehen auch klar, dass wir nicht das Recht haben, verzagt die Hände sinken zu lassen. Ein ganzes Volk, ein Volk im wirklichen Verstände, eine national, sprachlich und traditionell lebendige Einheit, liegt unter dem Dolche des Mörders. Nur drei Möglichkeiten scheinen gegeben : entweder bleibt das Volk im Lande der Barbarei und wird vernichtet, oder es verteilt sich über die ganze Welt und geht allmählich spurlos in die übrigen Nationen auf, oder schliesslich, es gewinnt ein Land und wird wieder Volk im engsten eigentlichsten Sinne. Die erste Lösung brächte unendlichen Jammer, zusammengedrängt in sehr kurze Zeit; die zweite Lösung brächte unendlichen Jammer, verteilt auf lange Zeit, denn die Entnationalisierung einer solchen Menschenmasse vollzieht sich nicht ohne viele Opfer. Die dritte Lösung allein kann den Menschenfreund befriedigen. Und vielleicht gibt es sogar heute nur noch die Wahl zwischen der Vernichtung und Wiedergewinnung eines Volksbodens. Denn schon beginnen die Völker aller Welt sich gegen die Massenzuwanderung der jüdischen Proletarier zu wehren; schon drehen sich die anfangs weit geöffneten Tore mehr und mehr in ihren Angeln und niemand weiss, ob sie sich nicht bald schliessen werden. England und Amerika, die beiden grossen Länder der Zuflucht, sind schwierig geworden. Grossbritannien hat sein Fremdengesetz geschaffen, die Vereinigten Staaten erschweren die Einwanderungsbedingungen von Tag zu Tag mehr, und die Arbeiterschaften beider Länder empfinden immer unwilliger den Wettbewerb der bedürfnislosen östlichen KuJis. Wenn das so weiter geht, dann ist bald von unserer zweiten Möglichkeit nicht mehr die Rede und dann kann die Wahl zwischen den beiden Wegen, die noch bleiben, wohl niemandem mehr zweifelhaft sein. Ob wir erreichen, was wir uns als Ziel gesteckt haben, oder nicht, gegenüber dem albernen Hohn, der uns häufig, leider sogar gerade aus dem Lager der nichtzionistischen Juden, ins Gesicht grinst, dürfen wir mit Stolz das Wort aussprechen: „in magnis voluiese sat est!"