Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Journal
- Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Volume
- 20 (1908)
- Issue
- 1 (1.1908)
- Date
- 1908-01-01
- Page
- Seite 27 (sequence 30)
- Language
- German
- Belongs to
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27 gewonnenen Erfahrungen schon leichter haben werden. Das Kreditkapital wird mehr und mehr Vertrauen gewinnen und so kann allmälig das Land mit Kolonien überzogen und so, vorläufig ohne Charter, dem Volke und der Kultur zurückgewonnen werden. Die nötigen Rechte der Selbstverwaltung sind dann auf irgend eine Weise wahrscheinlich zu erlangen. Das ist der einzige Weg zum Ziele, den ich zu sehen vermag, und der Weg, den die Parteibehörden zu gehen entschlossen sind. Ich kann an dieser Stelle nicht auf die überaus grossen Vorteile eingehen, die ich mir von dieser Organisation des agrarischen Eigentums für die gesamte, volkswirtschaftliche Gliederung verspreche. Ich vertrete seit mehr als einem Jahrzehnte mit immer wachsender Gewissheit und, wie ich sagen darf, mit immer wachsender Anerkennung seitens der Wissenschaft die Behauptung, dass der Kapitalismus ausschliesslich eine Folge der historischgewordenen, ursprünglich feudalen, ungleichen Verteilung des Grundeigentums ist; — und dass umgekehrt überall da, wo jeder Arbeitsfähige, ohne zur Zahlung einer wachsenden Grundrente verpflichtet zu sein, Zugang zum Arbeits- und Wohnboden hat, ein Zustand gleichmässiger Verteilung des Vermögens und Einkommens bestehen muss, der dem Ziele der sozialistischen Utopien mindestens sehr nahe steht. Ich muss es den Lesern dieses Aufatzes überlassen, den Beweis für diese Behauptungen in meinen umfassenden Werken „Die Siedlungsgenossenschaft" (Berlin 1896), „Grossgrundeigentum und soziale Frage" (Berlin 1898), in meinem Essay „Der Staat" (Frankfurt 1907) nachzuprüfen und vielleicht die antikritische Sicherung gegen die entsprechenden Theorien der Bourgeoisie und des Proletariates in meinen Schriften: „Die Bevölkerungstheorie des T. R. Malthus" (Berlin-Bern 1901) und „Das Grundgesetz der Marx'schen Gesellschaftslehre" (Berlin 1903) zu studieren. Jedenfalls soll die von mir vorgeschlagene, genossenschaftliche Ordnung des Grundeigentums mit Ausschluss jedes privaten Grossgrundeigentums nicht nur das Problem des privatwirtschaftlichen Gedeihens der neuen Ansiedlungen lösen, sondern gleichzeitig auch das wichtigere Problem der volkswirtschaftlichen Gesundheit. Die Organisation verwirklicht in der modernen Form der Genossenschaft die urtümliche Besitzordnung, die das Volk Israel-Juda, gleich jedem anderen primitiven Volke, in die Sesshaftigkeit mitbrachte und die die spätere agrarische Gesetzgebung wiederherzustellen vergeblich versuchte. Wenn nun auch ohne Bauernkolonisation eine dauernde Eroberung dieses Landes ebenso wenig möglich ist, wie die irgend eines anderen, so schliesst das doch nicht aus, dass nicht gleichzeitig auch auf anderen Wegen die Emigranten des Ostens in Palästina mindestens vorläufig eine wirtschaftliche Existenz finden könnten. Es wurde vorhin schon angedeutet, dass Heim-