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Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union · 1908-01-01 · 1 (1.1908) · p. Seite 24

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Journal
Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
Volume
20 (1908)
Issue
1 (1.1908)
Date
1908-01-01
Page
Seite 24 (sequence 27)
Language
German
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24 richtig ist: der Regenfall sei für Feldwirtschaft völlig genügend und namentlich die Kultur der Fruchtbäume (Mandeln, Datteln, Oliven usw.) lasse die besten Ergebnisse erwarten, ja in der Depression des Jordantales mit ihrem nahezu tropischen Klima verspreche der Baumwollbaum die besten Erträge. Damit muss sich der landwirtschaftlich-botanische Laie wohl zufrieden erklären. Ein schwerer Zweifel begegnet der Qualifikation der Bevölkerung. Die Juden sind seit nahezu zwei Jahrtausenden dem Landbaue, dem sie zur Zeit ihrer nationalen Selbständigkeit sich fast ausschliesslich gewidmet hatten, entfremdet worden. Sie haben in der Mehrzahl in diesem ungeheuren Zeitraum einseitiger Berufszüchtung zum Häniler- und Handwerkertum den Geschmack und leider auch vielfach die Kraft zur Bauernschaft verloren. Namentlich gilt das von der ,.Kümmerrasse" des Ansiedlungsrayons, die bei schlechter Ernährung und unter schwerem politischen und sozialen Drucke körperlich ausserordentlich herabgekommen ist. Und diese Elemente bilden leider die weit überwiegende Mehrzahl der Ansiedlungslustigen und Ansiedlungsbedürftigen! Wird es möglich sein, aus ihnen eine genügende Anzahl ausreichend kräftiger und walliger Elemente für den unbedingt notwendigen Landbau zu gewinnen? Das ist vielleicht das ernsteste Problem der zionistischen Bewegung. Ich für meine Person würde an seiner Lösung verzweifeln wenn keine andere Möglichkeit der Ansiedlung bestünde als die gewöhnliche Bauernkolonisation, wie sie Nordamerika und neuerdings Nordafrika unter den Pflug gebracht hat. Ich halte den osteuropäischen Proletarier in seiner Mehrzahl, sowohl seiner physischen als seiner psychischen Beschaffenheit nach, nicht für fähig, auch unter günstigen Bedingungen des Klimas und der Kapitalsausstattung, ohne Vorbereitung ein ihm übergebenes Bauerngut sachgemäss zu bewirtschaften. Die anfänglich sehr bösen Erfahrungen, die die „Ica" (Jewish Colonisation Association), das von Baron Hirsch mit einem Kapitale von 300 Millionen Franken eingeleitete Ansiedlungswerk, in Argentinien gemacht hat, konnte man voraussagen. Dem auf ein Bauerngut verpflanzten Juden, den man mit der besten Absicht „ins Leben hineinstiess", fehlte nicht nur die bedeutende physische Kraft und Dauerbarkeit, die der Ackerbau verlangt, sondern vor allem auch die von Städtern zumeist lächerlich unterschätzte berufliche Einsicht in die Bedingungen der Pflanzen- und Tierzucht. Kein Wunder, wenn diese Leute bald den Mut verloren und die geschenkte Scholle massenhaft verliessen. (Uebrigens sollen die Ergebnisse sich allmählich bedeutend gebessert haben; wahrscheinlich das Resultat einer harten selection ot the Attest.) Trotz dieser Skepis halte ich es für sehr wahrscheinlich, ja für fast gesichert, dass selbst diese zunächst höchst ungeeigneten

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