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Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union · 1908-01-01 · 1 (1.1908) · p. Seite 20

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Journal
Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
Volume
20 (1908)
Issue
1 (1.1908)
Date
1908-01-01
Page
Seite 20 (sequence 25)
Language
German
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20 dem Hexenkreise herauszukommen , in den er sich gebannt sah; er brauchte eine Macht, um ein Land zu erhalten, und hatte doch allmälig eingesehen, dass er erst das Land haben müsse, ehe ihm die Judenschaft mit ausreichenden Mitteln die Macht in die Hand geben würde. So verhandelte er denn mit der englischen Regierung zunächst über den unter englischer Oberhoheit stehenden Teil von Palästina, nämlich die östlich vom Nillande und nördlich vom Sinai gelegene Landschaft El-Arisch; und als eine dorthin entsandte Expedition landwirtschaftlicher und bewässeiungsttchnischer Sachverständiger zu dem Ergebnisse gelangt war, dass das völlig wüstenhafte Gelände für eine Massenansiedlung nicht zu brauchen sei, trat er mit derselben Regierung in Verhandlungen über eine Ansiedlung in dem neuen Territorium Uganda ein und entfesselte damit auf dem Kongresse in Basel jenen bekannten Sturm, den Entscheidungskampf zwischen Romantikern und Praktikern, der die Partei in ihren Grundtesten erschütterte und zur Abspaltung des „Ito" führte. Man kann es fast als ein Glück für den Zusammenhalt des Zionismus bezeichnen, dass auch dieses Gelände von eiuer dorthin gesandten Expedition als unbrauchbar abgelehnt werden musste. Bald darauf starb Herzl, und damit war dem Zionismus als Gesamtbewegung ein schwerer Schlag, dem politischen Zionismus aber der Todesstoss versetzt. Es war Niemand mehr da, der die immer noch schwebenden, politischen Verhandlungen hätte führen können. Die wahrhaft königliche Erscheinung des Führers, der das Aussehen und die Würde eines Harun-AI-Raschid hatte, seine vornehme, durch eine ungewöhnliche Vielsprachigkeit glücklich ergänzte Diplomatenkunst war unersetzbar. Und so musste denn die rein wirtschaftliche Bewegung in der Partei mehr und mehr die Oberhand gewinnen. Ganz war sie nie zurückgedrängt worden. Bereits Jahrzehnte vor Herzl hatten fromme jüdische Romantiker eine jüdische Kleinkolonisation in Palästina eingeleitet; jüdische Finanzmagnaten, ein Pariser Rothschild und namentlich Baron Hirsch, hatten mit grossen Mitteln Aehnliches ins Werk gesetzt, und es bestanden sogar einige kleine Ansiedlungen russischer Sozialisten, Tolstojaner und ähnliche, die bereits Wurzel gefasst hatten. Vertreter dieser Theorie und Praxis fanden sich, wie alle anderen Strömungen und Grup-pen, schon unter den ersten Anhängern Herzls; sie waren durchaus befeit, die Verwirklichung ihres engeren Zieles auf einige Jahre zu verschieben, bis der Charter erreicht sei, um dann unter viel günstigeren Bedingungen mit ihrer Arbeit einsetzen zu können. Aber natürlich wurden sie, je länger, je mehr ungeduldig. Wollte der Charter nicht kommen, nun, so sollte man eben ohne Charter vorangehen. Und sie entwickelten denn auch immer sicherer und mit immer grösserer Kraft der Ueberzeugung den Gedanken, dass auch hier ein Weg

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