Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Journal
- Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Volume
- 20 (1908)
- Issue
- 1 (1.1908)
- Date
- 1908-01-01
- Page
- Seite 19 (sequence 24)
- Language
- German
- Belongs to
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19 Verfügung stehende Gesamtsumme mit 7 Millionen Mark hoch geschätzt sein; das ist das Kapital einer winzigen Provinzialbank, während für die Verwirklichung der politischen Zwecke Herzls das Kapital einer riesigen Grossbank vielleicht gerade hingereicht hätte. Unter diesen Umständen konnten die politischen Verhandlungen zur Gewinnung eines Charters unmöglich zu einem Erfolge führen. Die türkische Regierung handelte selbstverständlich nach dem Worte, das Bismarck einmal einem politischen Besucher, ich glaube Lassalle gesagt hatte: „Werden Sie eine Macht und dann kommen Sie wieder." Bei aller diplomatischen Höflichkeit kam das Ergebnis, so weit der Niehteingeweihte aus den praktischen Ergebnissen zu urteilen vermag, doch wohl nur auf die rhetorische Frage hinaus: „Was kannst du, armer Teufel geben?" Unter diesen Umständen sah sich schon Herzl immer mehr dazu gedrängt, die wirtschaftliche Eroberung Palästinas durch eine sozusagen penetration pacifique mehr und mehr ins Auge zu fassen. Freilich stand das Statut einer solchen Bemühung einigermassen im Wege, da es ausdrücklich „öffentlich-rechtlich gesicherte Heimstätten" verlangte, ein Ausdruck, der zweifellos ursprünglich so verstanden wurde, dass die Kolonisation erst dann begonnen werden dürfe, wenn der Charter erteilt sei. Indessen hatte der Ausdruck doch eine glückliche Vieldeutigkeit, die mindestens gewisse, vorbereitende, wirtschaftliche Aktionen als zulässig erscheinen lassen konnte; und dann blieb ja immer noch der beliebte Ausweg, wünschenswerte, statutenwidrige Aktionen von hervorragenden Parteigenossen als private Handlungen vornehmen zu lassen, denen die Partei offiziell nur mit wohlwollender Neutralität gegenüberstand. So brach sich denn der Gedanke immer mehr Bahn, schon vor Erlangung des Charter mit der privaten Kolonisation in Palästina zu beginnen. Diese Tendenz musste verstärkt werden durch die Einsicht, die Herzl, der ursprünglich wenig Fühlung mit ökonomischen Fragen gehabt hatte, selbst aus intimerer Beschäftigung mit den Fragen über die Grundbedingungen einer Massenkolonisation sich erwarb. Er sah ein, dass der von ihm in seinem Buche „Altneuland" entworfene Plan einer sozusagen mit einem Schlage erfolgenden Massenkolonisation unmöglich verwirklicht werden könnte, und erkannte, dass man zunächst die Fundamente des neuen Gemeinwesens in dem Lande gelegt haben müsse, ehe man das Gebäude selbst aufrichten könne. Aus diesem Grunde empfahl er die von mir wissenschaftlich begründete Methode der genossenschaftlichen Kolonisation, Hess sie von dem Kongresse votieren und gewann mich selbst als Organisator der praktischen Besiedelung, die er mit allen Mitteln einzuführen und zu fördern versprach. Inzwischen Hess er die politische Aktion nicht ruhen, immer noch in der Hoffnung, durch irgend einen glücklichen Griff aus 2*