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Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union · 1908-01-01 · 1 (1.1908) · p. Seite 12

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Journal
Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
Volume
20 (1908)
Issue
1 (1.1908)
Date
1908-01-01
Page
Seite 12 (sequence 17)
Language
German
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12 kommen, und in der Tat haben von Anfang an an der Herzlichen Bewegung Christen, allerdings in sehr geringer Zahl, teilgenommen. Theoretisch hätte sogar jeder Rassenantisemit Mitglied der zionistischen Partei werden dürfen, der aus Gründen der Reinhaltung seiner Rasse die Emigration der Juden im grössten Stile wünschte. Und ganz logisch hat sich denn auch der rassenhafte Antisemitismus durchschnittlich der zionistischen Bewegung recht freundlich gezeigt, während der Liberalismus sie überall mit allen Waffen, von der Totschweigetaktik bis zur ofienen Feindschaft, bekämpfte. Der Zionismus ist also nicht, wie man oft gemeint hat, eine Bewegung der Juden, welche nach Palästina auswandern wollen, sondern er ist eine Bewegung, welche die Auswanderung des jüdischen Volkes will. Und ihr darf jeder beitreten, der dieses Ziel will, ganz gleichgültig, ob er sich zu dem jüdischen Volke rechnet oder nicht. Zionist ist also selbstverständlich jeder, der für seine Person die Uebersiedlung so bald als möglich vorzunehmen gedenkt: aber ebenso gut ist auch Zionist derjenige, der lediglich aus opportunistischen oder geschichtsphilosophischen oder sogar aus feindseligen Rücksichten die Uebersiedlung der ersten Klasse wünscht. Es ist jedem Juden überlassen, ob er sich zu dem „jüdischen Volke" rechnen will, das nach Palästina übergeführt werden soll, oder nicht; rechnet er sich nicht dazu, so wird er nur gefragt, ob er die Uebersiedlung der anderen für wünschenswert hält; und er kann der Partei beitreten, sobald er diese Frage bejaht. Auch wenn er nicht die Absicht hat, wie es so oft höhnisch ausgesprochen worden ist, dem neuen Judenstaate nur in der Fuuktion als Botschafter in einer europäischen Hauptstadt anzugehören. * * * Auf Grund dieses Programmes konnten sich die allerveischiedensten Elemente in der zionistischen Partei zusammenfinden und fanden sich zusammen Die ganze ungeheuere Vielspältigkeit des heutigen Judentums in nationaler, sprachlicher und kultureller Beziehung spiegelte und spiegelt sich wieder in der Gefolgschaft Herzls. Man braucht nur einmal auf einem der Kongresse die Delegierten beobachtet zu haben, um davon frappiert worden zu sein, wie vollständig die sozusagen Musterkollektion der planetaren Judenschart hier vorhanden war. Nicht nur dass alle Sprachen der Halbkultur- und Kulturvölker durcheinander schwirrten, es waren auch alle sogenannten Rassentypen vollständig vertreten. Der typische Ghettojude der polnischen Grenzbezirke, dieses ausgesprochene Produkt der Verelendung, diese „Kümmerrasse". fand sich neben prachtvollen Erscheinungen von immer noch südlichem Typus, aber auch neben Männern, die den reinsten Edeltypus ihrer nordischen Gastvölker verkörperten. Vom dunklen Braungell) bis zum zartesten Weiss der Haut, vom tiefstbrünetten bis zum licht-

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