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Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union · 1908-01-01 · 1 (1.1908) · p. Seite 11

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Journal
Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
Volume
20 (1908)
Issue
1 (1.1908)
Date
1908-01-01
Page
Seite 11 (sequence 16)
Language
German
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11 soziale Gleichberechtigung innerhalb eurer Gastvölker wird bedroht durch die ins massenhafte wachsende Zuwanderung von Glaubensgenossen aus dem europäischen Osten, die den verelendeten Rassentypus und die häufig üble Schachererpsychologie des durch Druck und Ungerechtigkeit degenerierten Juden in auffallenden Massen importieren und unter euren andersgläubigen Konnationalen infolgedessen den Antisemitismus erwecken, den sie bisher nicht kannten, solange euer wenige waren und diese wenigen in äusserem Typus und psychologischem Verhalten sich nicht allzu sehr von dem Typus der herrschenden Klasse unterschieden. Es ist also euer stärkstes Interesse, zu verhindern, dass eine solche Masseneinwanderung weiter zu euch dringe und euch nicht nur eine unerhörte Versorgungs- und Erziehungslast, sondern auch eine von euch gar nicht zu tragende Verantwortung aufhalse. Diese Einwanderung kann aber auf keine andere Weise gestoppt werden, als dadurch, dass man die zur Auswanderung aus Osteuropa doch einmal gezwungenen Juden in geschlossenem Verbände in ein Land überführt, in dem sie kraft öffentlich-rechtlicher Sicherung wirklich Vollbürger sein können. Dieses Land wieder kann aus Gründen, die keiner Aufzählung bedürfen, nur das verlorene Vaterland sein, auf das die Sehnsucht der Juden seit zwei Jahrtausenden sich richtet." Aber nicht nur dadurch, dass er die Einwanderung in die Länder Westeuropas abzudämmen hoffte, glaubte Herzl den westlichen Juden eine Verbesserung ihrer sozialen Stellung bringen zu können. Er meinte mit Recht, dass die allgemeine Wertschätzung des Juden sich gewaltig heben werde, wenn irgendwo in der Welt ein rein jüdisches Gemeinwesen als kräftiger völkischer Organismus blühe. Dann werde der Name „Jude" im Bewusstsein der Völker nicht mehr mit dem Begriffe des schmierigen Hausierers unlösbar verknüpft sein, sondern werde im Hörer die Assoziation eines tüchtigen, in allen Künsten des Friedens mit in der ersten Reihe stehenden Stammes oder Volkes hervorrufen, und so würde auch für die in der Diaspora verbleibenden Juden der üble Beiklang allmählich verschwinden. Aus all diesen Gründen öffnete Herzl, das kann nicht scharf genug betont werden, die Pforten seiner Partei allen Juden, auch denen, die nicht im mindesten gesonnen waren, die Rückwanderung nach Palästina mitzumachen, auch denen, die sich durchaus national und kulturell als Angehörige desjenigen Kulturvolkes fühlten, in dem sie aufgewachsen waren; ja, der Zionismus schloss nicht einmal Andersgläubige und Abkömmlinge einer beliebigen Rasse aus. Wer immer aus Gründen irgendwelcher Art, sei es aus Gründen der politischen Gerechtigkeit oder der religiösen Wiedergeburt oder aus anderen Gründen entschlossen war, für die Gewinnung einer öffentlich-rechtlichen Heimstätte in Palästina zur Wiederansiedlung des jüdischen Volkes einzutreten, der war will-

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