Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Journal
- Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Volume
- 20 (1908)
- Issue
- 1 (1.1908)
- Date
- 1908-01-01
- Page
- Seite 10 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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10 Bewegung, zu der doch immerhin von den 6twa 8 Millionen Juden der Welt etwa V2 Million als organisierte Parteigenossen gehören und zu der eine wahrscheinlich viel grössere Zahl sich als Mitläufer rechnet; und das ist ungeheuer viel. Man bedenke, dass auf mehr als 3 Millionen sozialdemokratische Wähler in Deutschland kaum 400.000 organisierte Sozialdemokraten und Gewerkschaftler kommen; rechnet man auf den einzelnen Wähler den üblichen Durchschnitt von 378 Familienangehörigen, so kommt man auf eine sozialdemokratische Masse von über zehn Millionen, so dass dieser ziffernmässigo Vergleich ergibt, dass der Zionismus eine noch stärkere Anziehungskraft auf die Juden aller Länder ausgeübt hat, als die Sozialdemokratie auf die Arbeiterklasse. Der Vergleich wird noch günstiger, wenn man in Rechnung zieht, dass die Zahl der deutschen Arbeiter (ohne Angehörige) nicht viel weniger als doppelt so gross ist als die eben berechnete Zahl von 10 Millionen sozialdemokratische Wähler (inklusive der Familienangehörigen,). Allerdings muss auf der anderen Seite anerkannt werden, dass der Zionismus bisher an seine organisierten Mitglieder unverhältnismässig viel geringere materielle und politische Ansprüche gestellt hat als die deutsche Sozialdemokratie. J Das Ziel des Zionismus, das nächste Ziel aller der ver- * schiedenen Strömungen, die Herzls Genie in das eine Bett zusammengeführt hat, ist im Baseler Programm folgenderma>sni formuliert: „Der Zionismus erstrebt für das jüdische Volk eine rechtlich gesicherte Heimstätte in Palästina und seinen Nachbarländern." Erläuternd bemerkt das Statut fernerhin, dass das Bestreben dahin geht, allen solchen Juden, die sich nicht assimilieren wollen oder können, die Ansiedlung im eigenen Lande, unter eigenem Eecht und eigener Verwaltung möglich zu machen, um sie dem Drucke zu entziehen, den sie als mehr oder weniger rechtlose, mehr oder weniger geduldete Fremde unter den Gastvölkern auszuhalten haben. Mit dieser Fassung war ein Rahmen gespannt, in den jeder Jude sich einordnen konnte, nicht nur die unter dem härtesten Drucke lebenden Osteuropäer, die noch sprachlich, kulturell und religiös so sehr eine eigene Nation bildeten, dass von einer Assimilation gar keine Rede sein konnte, sondern auch die kulturell und national bereits völlig assimilierten Juden des europäischen Westens und der freien Staaten jenseits der See, die aus irgend welchen Gründen des Familienstolzes, der religiösen Pietät oder des wohlberechtigten Trotzes gegen ungerechte Zumutungen dennoch das Band ihrer Zusammengehörigkeit mit den übrigen Juden der Welt nicht durch die Taufe lösen mochten. Ihnen wurde der Zutritt zu der zionistischen Bewegung durch Herzl selbst aus einem praktischen Grunde nahegelegt, der vielen von ihnen sehr einleuchtete. Man sagte ihnen: ,.Die von euch bereits errungene politische und zuweilen auch