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Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union · 1908-01-01 · 1 (1.1908) · p. Seite 7

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Journal
Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
Volume
20 (1908)
Issue
1 (1.1908)
Date
1908-01-01
Page
Seite 7 (sequence 12)
Language
German
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7 mit pessimistischen Augen sehen und überall Gefahr für die Zukunft wittern. Denn — wo es keine Gefahren gibt, da sind die Vaterlandsretter überflüssig und unsere Antisemiten gefallen sich ja alle in dieser heroischen Holle. Wer aber mit klarem Auge schaut, der erblickt nirgends Gefahren. Symptome der Ueberkultur gab es zu vielen Zeiten, solange aber ein Fond von gesunder Kraft vorhanden ist, kann daraus keine ernste Gefahr abgeleitet werden. Unsere Antisemiten preisen immer die heroische Kraft der alten Germanen und sehnen sich nach einer Erneuerung der Herrschaft der Faust. Aber ein Heroismus, der nicht im Dienste einer grossen Idee steht, ist gänzlich wertlos. Eine Verpulverung der Kraft, um nur mit seiner Stärke zu protzen, ist selbst vom rassenökonomischen Gesichtspunkte aus ein Fehler. Daher ist der Zweikampf kein Heroismus, sondern eine romantische Krankheit, in ihm offenbart sich nicht die Gottheit der Kraft, sondern die Macht des blinden Zufalls. Es gehört schon eine gänzliche Verdrehung aller Begriffe dazu, um dieses grausame Spiel des Zufalls höher als jedes sittliche Recht zu stellen. Und auch die Stärkung der Rasse kann in einer Kulturwelt, wie wertvoll sie auch sein mag, nicht Selbstzweck sein, sie kann nur dazu dienen, das Volk zu hohen Idealen zu führen, und sie kann nur mit würdigen und nicht mit kulturwidrigen Mitteln erreicht werden. Ist dieses Mittgart überhaupt möglich? Uns scheint dieses Ideal ebensowenig durchführbar wie das Ideal der Judenreinheit. Wir zweifeln sehr, dass sich auch nur 100 Männer zu diesem Leben hergeben würden, und wir zweifeln noch mehr, dass sich 100 Frauen finden, die diese ihnen überwiesene Rolle übernehmen würden. Welches Leben führen die Männer in diesem antisemitischen Dorado? Ein Leben ohne Kultur und Religion, ohne Abwechslung und veredelnde Unterhaltung. Selbst das schönste und höchste Recht eines Mannes, seiner Liebe zu folgen, wird hier stark begrenzt, denn die Mittgartmenschen dürfen ja nur im engeren Kreise freien. Und hat ein Mann gefreit, welch ein dumpfes und freudloses Dasein dann! Seine Ehe ist ja nur ein nüchternes Geschäft, und gerade dann, wenn die Sinnlichkeit verklärt wird, wenn er in seinem Weibe die Mutter seines Kindes sieht, gerade dann hört die Ehe gänzlich auf. Muss ein solches Leben nicht jede feinere Natur mit Ekel erfüllen? Noch schlimmer ist hier das Los des Weibes. Das Weib ist in Mittgart nichts weiter als Arbeits- und Zuchtmaschine. Jedes Gefühl weiblicher Würde wird gewaltsam getötet, wenn man der Liebe jeden Schleier nimmt und sie zu einem prosaischen Geschäft degradiert. Das Mittgartweib steht niedriger da als eine Sklavin, denn es hat nicht einmal den Mann seiner Liebe für die Dauer. Es darf kein individuelles Leben führen, es darf nicht an sich denken, es ist ja nur dazu da, um die Rasse zu erhalten, es ist nie Selbstzweck, immer nur Mittel. Wir haben eine viel zu hohe Achtung vor der

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