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Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union · 1908-01-01 · 1 (1.1908) · p. Seite 6

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Journal
Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
Volume
20 (1908)
Issue
1 (1.1908)
Date
1908-01-01
Page
Seite 6 (sequence 11)
Language
German
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6 leidlich kann, ist für sie ein überflüssiger Luxus. Die Rechtsprechung ist sehr einfach, sie wird, wie bei Offizieren, durch Ehrengericht und Zweikampf erledigt. Hat sich der Streit in den vorgeschriebenen Bahnen bewegt, so hat auch die Tötung des Gegners keine weiteren Folgen — im Sinne des Gottesurteils. Es überragt noch immer alles menschliche Recht, wenn es dem Stärkeren recht gibt. Unter Weibern vorkommende Streitigkeiten werden dadurch erledigt, dass sie. Ritter finden, die für sie eintreten und ihre Sache im Zweikampfe ausfechten. Ein bürgerliches Recht ist überflüssig, denn hier gibt es keine Geschäfte und keine Schulden und natürlich auch keine Diebe, wo es kein Geld gibt. Jedem Mittgarthause bleibt nur die vortrefflichste unter den Töchtern erhalten, die übrigen mit samt den Söhnen müssen auswandern. So gebieten die unerbittlichen Gesetze der heiligen Hasse. Solche Mittgartgemeinden sollen überall gegründet werden, Ostelbien hat ja Platz. 300 solcher Gemeinden werden, wie Hentschel ausrechnet, jährlich 100.000 neue Kraftmenschen liefern und von hier aus würde eine Erneuerung des deutschen Volkslebens stattfinden. Auch für die Wissenschaft wäre nach der Ansicht des Verfassers ein neuer Zweig gewonnen, die Wissenschaft von aufsteigenden Menschen. Allerhand reiche Perspektiven eröffnen sich von diesem neuen Rassen-Eden aus. So könnte man z. B. hier die noch dunkle Frage der menschlichen Inzucht gründlich und empirisch lösen. Natürlich würde mit diesem gewaltigen Problem ein Weg zur Lösung aller möglichen Fragen gebahnt sein. So also sieht das höchste Ideal der Rassenlehre aus. Nun fragen wir uns, welche Stellung ein modern denkender Mensch zu dieser Phantasiegeburt unserer Rassenfanatiker nehmen kann. Dass eine solche Schöpfung, wenn sie überhaupt möglich wäre, ein Hohn auf das Christentum und auf alle Ethik wäre, braucht nicht erst bewiesen zu werden. Auch dass der ganze Gedanke eine Negation der Kultur und der geistigen Entwicklung ist, liegt auf der Hand. Aber denken wir uns einen Augenblick ausserhalb dieses Kreises, auch da noch sträubt sich alles in uns gegen diesen Gedanken. Zunächst liegt die Notwendigkeit für solche, das menschliche Gefühl entwürdigende Experimente vor? Ist wirklich die physische Kraft des deutschen Volkes so erschöpft, dass eine ernste Gefahr droht? Man wird diese Frage mit gutem Gewissen mit Nein beantworten dürfen. Unsere heutige Generation mag in manchen Dingen bequemer geworden sein, schwächer ist sie nicht als die Menschheit vor einigen hundert Jahren. Unsere Leistungen in der Industrie und auf dem Schlachtfelde zeigen es zur Genüge. Die Brutalität und das freie Spiel der physischen Kräfte ist einer Verfeinerung der Sitten und einer Vertiefung der Ethik gewichen. Aber ist denn Brutalität und Kraft identisch? Kann sich wirklich die menschliche Kraft nur im blutigen Kampfe zeigen? Es ist das Kennzeichen aller modernen Rückschrittler, dass sie die Gegen w it

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