Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Journal
- Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Volume
- 20 (1908)
- Issue
- 1 (1.1908)
- Date
- 1908-01-01
- Page
- Seite 8 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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8 deutschen Frau, um anzunehmen, dass Viele solchen abscheulichen Utopien ihre Jugend opfern werden. Angenehm in diesem hypergermanischen Paradiese ist eigentlich nur die Stellung der alten Herren im Rate. Sie führen ein sorgenloses Leben, haben nur zu gebieten und sind dazu noch von dem hohen Nimbus der Rassenpriester umgeben. Das wäre so eine richtige Altersversorgungsanstalt für greise Antisemitenführer. Und was kann durch dieses heroische Experiment erreicht werden? Eine Schar von Pferdeknechten und Steinklopfern. Jünglinge, die bis zum 16. Lebensjahre keine Schule besucht haben und von Bildung nicht einmal einen Schimmer besitzen, dazu noch unbändig und rauflustig erzogen, haben in unserer heutigen Gesellschaft keinen Platz. Sie könnten sich höchstens im Variete als Ringkämpfer produzieren. Wer von solchen Elementen die Veredelung und Verjüngung des deutschen Volkes erhofft, der muss wahrlich eine sehr geringe Meinung von diesem Volke haben. Wozu überhaupt all diese Umstände? Man suche doch einfach einige 100 kräftige Hausknechte heraus, drille ihnen das Evan* gelium der Rasse und das antisemitische Programm ein und übergebe ihnen die Führung des Staates Der ganze Plan ist so krank, dass man kaum begreift, wie ein Mann mit gesunden fünf Sinnen ihn ernstlich aufstellen kann. Und doch ist im „Hammer" eine besondere Abteilung für Mittgart errichtet, und in jeder Nummer finden sich Meinungen für und wider diese Idee. Es ist eben nicht der Gedanke eines Mannes, sondern die Konsequenz einer falschen Weltanschauung. Die ganze Rassenlehre ist nicht nur ein Unsinn, sondern auch ein Unglück, denn sie muss zu den wahnsinnigsten Konsequenzen führen. Auf diesem Felde, das mit den Abfällen der menschlichen Vernunft gedüngt ist, können nur giftige Früchte und betäubende Blumen gedeihen. Noch niemand hat das Gebiet der Rassentheorien betreten, ohne eine Einseitigkeit davon zu tragen. Die Rasse ist ein geeigneter Begriff für Tiere, aber nicht für Menschen. Der Kulturmensch steht höher als die Rasse und seine Leitsterne sind nicht das Blut, der Instinkt, sondern die Vernunft und die Moral. Die Zukunft der gesunden Menschheit liegt nicht in der Rasse, sondern in der richtigen Kultur; in einer Kultur, die sich nicht von der Natur entfernt, sondern mit ihr in ewiger Fühlung bleibt. Wollt ihr die Menschheit veredeln, so verlasset die Bahn der Menschlichkeit nicht. Fabius Schach.