Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Journal
- Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Volume
- 20 (1908)
- Issue
- 1 (1.1908)
- Date
- 1908-01-01
- Page
- Seite 4 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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4 und hat die Bestimmung, die Pflanzstätte des nordischen Menschen, des höheren Adels der Zikunft, zu werden. In Mittgart herrscht, genau wie in der Götterwelt, keine Engherzigkeit und — keine Monogamie, wenigstens für die Herren der Schöpfung nicht. Wir nahen zwar immer gehört, dass die Keuschheit und die sittliche Ksinheit eine spezifisch germanische Tugend ist und dass eine sexuelle Ethik ohne Monogamie nicht denkbar ist. Aber das Christentum ist ja für unsere Oberreformer ein abgestorbenes Ideal, und wo es sich u.n das höchste Gut, um die heilige Rasse handelt, da muss die spiessbürgerliche Moral schweigen. Der Verfasser begründet seine These in folgender Ausführung: „Im Laufe dieser Erörterungen habe ich schon wiederholt auf eine biologische Hilfe hingewiesen, ohne die keine rassische Hochzucht denkbar ist, — ich meine die Überlegeue Zeugungskraft des männlichen Geschlechtes gegenüber dem weiblichen. Wir können mit Bestimmtheit behaupten, dass es niemals zur Herausbildung eines heroischen Menschentypus gekommen sein würde, wenn es nicht ein Zeitalter gegeben hätte, im Verlaufe dessen die stärksten, tüchtigsten und kampffrohesten Männer alle wertvollen Weiber mit Beschlag belegt und damit ihre minderwertigen Mitbewerber unter den Männern aus dem Rassenprozess ausgeschaltet hätten. Ohne diese biologische Hilfe, ohne die Ausnützung der Zeugungskraft der rassisch-wertvollen männlichen Persönlichkeit ist eine entschlossene Menschenzucht ebensowenig denkbar wie etwa die Zucht der meisten Haustiere." Mit der bürgerlichen Gesellschaft will der Verfasser ebensowenig wie mit der bürgerlichen Moral zu tun haben: „In ihr wird jöde gute Absicht zu Schanden. Wer an ihr seine Kräfte versucht, geht daran zu Grunde; das hat nicht bloss Herr von Egidy erfahren. Was wir dagegen tun können, das ist die Konzentration unserer Kräfte auf ein beschränktes Gebiet, — das ist das Mittgartreich." Ja, dieses Reich ist eben nicht mit irdischen Normen zu messen, es ist himmlisch, ein neues Heiligtum: „Erwachende Instinkte, überlieferte Weistümer, die Ergebnisse der wissenschaftlichen Erforschung des Lebens und seiner Bedingungen und Sorge um die Zukunft unseres Volkes haben zusammengewirkt, dieses Reich zu gründen und neue Bäume des Lebens darin zu pflanzen." Wo solche grossartige Paten bei der Geburt waren, muss ja etwas Gewaltiges, Hervorragendes zustande gekommen sein. Und nun treten wir unter der bewährten Leitung des grossen Schöpfers Willibald, des gefährlichsten Konkurrenten des lieben Gottes, in das Innere des heiligen Reiches. Es ist nicht allzugross und allzublendend nach aussen, aber seine Eigenartigkeit fesselt uns bald beim ersten Schritt. Es ist ein ostelbisches Rittergut, auf dem früher ein polnisch redendes Arbeitervolk „gewerkeltagt" hat. Nun ist es anders umgestaltet worden und seinem neuen