Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Journal
- Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Volume
- 20 (1908)
- Issue
- 1 (1.1908)
- Date
- 1908-01-01
- Page
- Seite 3 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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3 Für Hentschel ist die Rasse das Höchste, der Ausgangspunkt und das Endziel aller Betrachtungen und aller grossen Werke. Die germanische Rasse ist natürlich die höchste, die heroische, in ihr allein ruht das Heil der höheren Menschheit. Nun sieht er diese Rasse geschwächt durch eine falsche Kultur, durch das asketische Christentum und durch die Berührung mit slavischem und jüdischem Blute. Er sieht das sinkende Leben vor sich, er sieht im Geiste schon den furchtbaren Untergang der Rasse. Da erwacht in ihm der Gedanke, die Menschheit zu retten und durch eine neue, historisch noch unbekannte Idee will er eine neue germanische Menschheit aufrichten und neue Heroen und Helden schaffen. Ja, Hentschel rechnet genau und scharf und stellt eine Art Rassen-Oekonomie auf. Wir haben, wie er meint, im Laufe der Geschichte eine grosse Rassenausgabe und eine nur geringe Rasseneinnahme erlebt, das muss natürlich, da man die Unterbilanz für die Dauer nicht verschleiern kann, zum Bankerott führen. Schon lauert der Gerichtsvollzieher, um die letzten Reste des Germanentums unter den Hammer zu bringen, und wer wird sie erwerben? Natürlich Juden und Slaven. So will er, solange es noch Zeit ist, der Gefahr vorbeugen und eine Rassen-Mehreinnahme durch glückliche, kühne Manipulationen zu erzielen suchen. Denn eine Beschränkung der Rassenausgabe ist nicht leicht, weil „das heroische Leben einen gewissen Kraftverbrauch zur Voraussetzung hat" und weil sich das Leben aus sich heraus, gewissermassen wie ein Wasserkessel, verzehrt. Im Leben gibt es innere Reibungen, ohne die ein geschichtliches Wirken nicht möglich ist, und diese inneren Reibungen verschlingen viel Kraft. Nun wäre es ja ganz einfach, den ganzen Krempel der Kultur über Bord zu werten, um das Schifflein der Rasse leichter schwimmen zu lassen. Das aber mag Hentschel nicht, denn er sieht ein, dass wir der Kultur bedürfen und dass wir die Zeit nicht zurückschrauben können. Man müsse nur das Dumme und Falsche aus der Kultur ausschalten, und das kann ohne operativen Eingriff geschehen, man brauche die Menschen nur den heilwirkenden Kräften der Natur näher zu führen. Die deutschsozialen Reformbestrebungen zielen auf eine schonende Behandlung des Lebens. Das ist sehr schön, genügt aber nicht. Man muss auf die Erschliessung neuer Lebensquellen, auf die Hebung der „rassischen Kraft" bedacht sein. Das kann nur durch ein ganz neues Experiment ernicht werden. Der Verfasser ist selbst berauscht von der Grösse seiner Idee. Er schreibt: „Die Götter leben im Geiste der Meuschen, und das Neue, Göttliche bereitet sich in der Geistesbewegung vor. Als ein solches neugeborenes Göttliches gilt uns die biologische Wertung des Lebens, die uns zu den Begriffen Rasse und Zucht geführt hat." Diese neu zu errichtende Stätte rassischer Hochzucht heisst Mittgart. Sie liegt, wie alles Erhabene, natürlich an der Elbe 1*