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Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union · 1907-06-01 · 6/7 (Juni/Juli 1907) · p. Seite 39

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Journal
Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
Volume
19 (1907)
Issue
6/7 (Juni/Juli 1907)
Date
1907-06-01
Page
Seite 39 (sequence 39)
Language
German
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39 Fragen mit dem sozialdemokratischen Klub stimmen. Die nationaljüdischea Abgeordneten werden eintreten für eine Verringerung der Konsumsteuern, für eine mehr städtische Verwaltungspolitik im Gegensatze zu der bisherigen Bevorzugung der agrarischen Interessen, für Verkürzung der Dienstzeit beim Militär auf zwei Jahre und für die Reform der Militär-Strafprozess-Ordnung sowie für weiteste Modernisierung des Strafgesetzentwurfes. In der Frage des österreichisch-ungarischen Ausgleiches wird der Klub gegen die Absperrung der ungarischen Grenze sein und sich für die Oeftnung der rumänischen Grenze einsetzen. Wir werden jede gerechte Forderung des polnischen Volkes unterstützen. Ich erkläre ausdrücklich, dass wir nicht nur keine Feinde des polnischen Volkes sind, sondern dass wir seine Kultur kennen gelernt haben und ihr sehr viel verdanken. Wir betonen einerseits die nationale Sonderstellung der Juden, werden aber anderseits jede gerechte polnische Angelegenheit aufs wärmste unterstützen. Wenn die Abgeordneten der Polnischen Volkspartei einen besonderen Klub bilden und ausserhalb des Foleuklubs verbleiben werden» wird unser Verhältnis zu diesen ein sehr nahes sein und sind wir bereit, alle Bestrebungen dieser Partei aufrichtigst zu unterstützen, sowie uns prinzipiell jede demokratische Strömung zur eifrigsten Untetstützung verpflichtet. Sowohl dem Polenklub als dem Ruthenenklub gegenüber werden wir uns vollkommen neutral verhalten. Natürlich werden wir die Hilfe der jüdischen Abgeordneten des Polenklubs, insoweit sie uns in unseren Bestrebungen unterstützen wollen, nicht ablehnen, aber wir betrachten uns als die wahren Repräsentanten des jüdischdemokratischeu Elements und als solche wollen wir im Parlament auftreten." Berlin. (EinjüdischesReich in Australien?) Aus Melbourne 30. April, schreibt man der „Welt-Korr." : In den letzten Jahren ist die Gründung jüdischer überseeischer Niederlassungen iu interessierten Kreisen wiederholt erwogen worden und rief, wie bekannt, eine stamnagenossenschaftlich© Organisation in London ins Lehen, an deren Spitze unter anderen angesehenen Israeliten sich Lord Rothschild befindet. Es ist nicht zu verwundern, wenn jene Organisation zur Verwirklichung ihrer Ziele den Blick auf das arm bevölkerte Australien warf, und so erschien ein Herr Alexander AFarks, als deren Vertreter, in Australien, u>u dort ein Gebiet zu suchen, das, soweit als möglich, als Ersatz für das gelobte Land dienen könnte. Er besuchte zunächst das nördliche Territorium, kam aber bald zu der auch von anderen Sachverständigen geteilten Ueberzeagung, dass dort unter den herrschenden klimatischen Verhältnissen und unter den gesetzliehen Bestimm.mtcen einer „VVithe Austria"- Politik nichts zu holen sei. Sodann leukte er seine Schritte iu entgegengesetzte Richtung und fand schliesslich im südlichsten Teile des Staates West-Australien längs der Küste bis zur Münduug Meenup River ein für den Zweck passend erscheinendes Gebiet. Mr. Marks hat nuu im Auftrage der Londoner Organisation die Regierung von West-Australien ersucht, ihm jenes Territorium im Umfinge vou einer Million Acres auf I1/, Jahre fesr, an Hand zu geben, und er hofft, innerhalb dieser Frist Vorkehrungen *ur Gründung einer jüdischen Kolonie vollendet zu seheu. Aus einem letzter Tage veröffentlichten Gespräche, das er mit einem Zeitungsvertreter hatte, dürften folgende Angaben auch den deutschen Leserkreis interessieren. Zunächst erwähnte Mr. Marks ein Schreiben des Präsideuten der Londoner Organisation Herrn Isaak Zangwill, worin es heisst: „Wenn wir in Australien etwas tuu, so muss die Arbeit in grossem Masstabe und unter günstigen politischen Bedingungen erfolgen. 5 nsere Aufgabe ist durchaus nicht darauf beschränkt, für eine Anzahl russissher Auswanderer zu sorgen, denn diese könnten ebenso gut, wenn nicht besser, im Westgebiet der Vereinigten Staaten angesiedelt werden. Für uns besteht das Hauptproblem vielmehr darin, die Basis für ein zukünftiges jüdisches Territorium zu finden, das dazu bestimmt ist, sich allmählich zu einer friedlichen und gesicherten Heimat für Millionen Angehöriger unserer Rasse zu gestalten." Nach der Versicherung des Herrn Marks wird man bei der Auswahl der Emigranten mit giösster Vorsicht vorgehen. Er weist darauf hin, dass

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