Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Journal
- Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Volume
- 19 (1907)
- Issue
- 6/7 (Juni/Juli 1907)
- Date
- 1907-06-01
- Page
- Seite 40 (sequence 40)
- Language
- German
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40 seine Organisation im vorigen Jahre nicht weniger als 150.000 Juden nach den südlichen Staaten Amerikas hinausgeschickt habe und dass deren Ansiedlung ohne grosse Schwierigkeiten gelungen sei. Die Leute hätten sich aus Laadbebauern, Viehzüchtern und Handwerkern zusammengesetzt, Berufsklassen, die auch für die Besiedlung des westaustralischen Territoriums in erster Linie berücksichtigt werden wurden. Das Vorurteil der grossen Masse, das Judentum sei gleichbedeutend mit Trödlern und Wucherern, sei durchaus ungerechtfertigt, denn das israelitische Volk sei schon in den Zeiten seiner nationalen Selbständigkeit ein ackerbautreibendes Volk gewesen. Schliesslich sprach Herr Marks die Hoffnung aus, die westaustralische Regierung werde dem philantropischen Projekte, den jede spekulative Natur fern liege, in liberalster Weise entgegenkommen; die praktische Ausführung würde der Londoner Organisation sehr bedeutende Geldopfer auferlegen, da man beabsichtigte, jedes Fiasko zu vermeiden und die Niederlassung auf einer für die Kolonisten vorteilhaften und lebensfähigen Basis vorzunehmen. Der Bescheid der Regierung steht noch aus. Warschau. (Die Judenfrage in der Duma.) Der Petersburger Korrespondent des Warschauer Blattes „Unser Leben" hatte eine Unterredung mit dem Dumaabgeordneten Schapira über die Behandlung der Judenfrage in der Duma. Schapira sagte ihm, dass das Hauptreferat über die jüdischen Angelegenheiten vun einem christlichen Dumaabgeordneten erstattet werden wird, dessen Name aber vorläufig noch nicht genannt werden könne. Die jüdLchen Abgeordneten suchen eine zufällige, nicht planmässige Erörterung der Judenfrage in der Reichsduma zu vermeiden, um der Rechten keine Gelegenheit zu der Behauptung zu yeben, das-< sie von den Juden herausgefordert wurde. Die Hauptdebatte tiher die Judenfrage soll aus Anlass der Erörterung über den die Gewissensfreiheit betreffenden Gesetzentwurf erfolgen. Die jüdischen Abgeordneten hoffen, dass die Mehrheit der Reichsduma sich hiebei für die Gleichberechtigung der Juden aussprechen werde, doch meint Schapira, dass der Reichsrat einem dahin abzielenden Beschlnss der Duma die Bestätigung der Duma versagen wird. Der „Verband zur Erringung der Gleichberechtigung der Juden" hat ein sieben Druckbogen umfassendes Verzeichnis aller die Juden beschränkenden Gesetze zusammengestellt und gibt auch ein Buch über diesen Gegenstand heraus. St. Petersburg, (Judenverfolgungen.) Das Blatt „Sowremennaja Rjetsch" meldet aus Prosskarow einen Fall von Judenverfolgung, welcher in der anständigen Tagespresse viel besprochen wird. Der Rittmeister des Dragonerregiments Belgorad A. Scherebetzkij stellte sich an das Fenster seiner im „Zentral-Hotel" liegenden Wohnung mit einen Dienstrevolver in der Hand und schoss mutwillig auf vorübergehende Juden. Den neunzehnjährigen Tischler Hirsch Rimmerm nu streckte er tot zu Boden nieder. Eine Untersuchung wurde nicht eingeleitet. St. Petersburg. (D i e Gesetzvorlage über die Rechte der Juden) wird den „Birsh. Wed." zufolge in ihren vollem Umfang in dieser Session nicht in die Reicbsduma eingebracht werden. Was die Frage des Aufenthaltsrechtes der Juden betrifft, so ist sie in die Vorlage über die Gewissensfreiheit aufgenommen worden. Es hat sich herausgestellt, dass sich für das unbeschränkte Aufenthaltsrecht und die Abschaffung aller Rechtseinschränkungen der Juden sich auch die Oktobristeu aussprechen werden. Nach der Meinung einiger Mitglieder der Kommission für die Verwirklichung der »Tewissensfreiheit soll auch der Reichsrat nichts dagegen haben, dass die Ansiedlungszonen für die Juden aufgehoben werden. Bukarest. (Die Rechtslage der Juden.) Dieser Tage wird der Oberste Kassationshof in Bukarest eine wichtige Frage zur Feststellung der Rechtslage der Juden in Rumänien zu entscheiden haben. Bekanntlich werden die Juden in Rumänien, auch die einheimischen, als Ausländer betrachtet. Infolgedessen haben sich die Regierungen ermächtigt gefühlt, solche Juden ausweisen zu dürfen, auch wenn sie Reservisten der Armee waren. Das