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Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union · 1907-06-01 · 6/7 (Juni/Juli 1907) · p. Seite 38

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Journal
Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
Volume
19 (1907)
Issue
6/7 (Juni/Juli 1907)
Date
1907-06-01
Page
Seite 38 (sequence 38)
Language
German
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38 Augenblicke ihres Bestehens die sittlichen Gebote des Christentums geschändet und soeben erst das Haupt der „Los von Rom"-Rufer als Volksvertreter erwählt haben. Das Judentum hat niemals die sittlichen Gebote verletzt und die Gesetze unseres Vaterlandes untergraben. Wir Juden machen keineswegs auf das — historisch gewiss unstreitbare — „Erstgeburtsrecht" im Sinne der von Ihnen zitierten Vogelsangschen Worte Anspruch, wir Juden wünschen nichts sehnlicher, als gerade das, was Sie angeblich selbst wünschen, „dass in der Christenheit die sittlichen Bedingungen des Christentums nicht zurückgehen", dass man im Sinne der Worte Goethes „von einem Christentum der Lehre zu einem Christentum der Tat und der Gesinnung konnte". Empfangen Sie, hochgeehrter Herr, den Ausdruck besonderer Wertschätzung." Prag. (Die Reichsratswahl in der Prager Altstadt.) Bei der engeren Wahl am 23. Mai wurde bekanntlich in der Prager Altstadt der aus dem Polnaer Prozesse unrühmlich bekannte Dr. Karl Baxa getreu den Sozialdemokraten Dr. Wenzel H o n s e r gewählt. Nach deren Ergebnisse haben sich von den 2000 jüdischen Wählern etwa 750 der Wahl enthalten, es ist also anzunehmen, dass die übrigen Juden ihre Stimmzettel für Dr. Honser abgegeben haben. Die Sozialdemokraten behaupten zwar, viele Juden hätten auch den Dr. Baxa gewählt, diese Behauptung ist jedoch tendenziös und entspringt der augenblicklichen Verstimmung. Man kann vielmehr entschieden behaupten, dass kein Jude so pflichtvergessen war, für Dr. Baxa zu stimmen. Bedenkt mau, dass jene 1C00 Stimmen, welche Dr. Honser bei der Stichwahl mehr bekommen hat als bei der Bauptwah). durchwegs jüdische Stimmen waren, da doch die Sozialdemokraten bei der Hauptwahl bereits ihr Aeusserstes aufgeboten haben und dass ausserdem die Altstädter sozialdemokratische Organisation mindestens -00 jüdische Wahler zählt (nach der Information seitens der Sozialdemokraten), die sicher den Dr. Honser bereits in der Hauptwahl gewählt haben, so kann man ohneweiters erklären, dass dem Dr. Baxa keine jüdischen Stimmen zugefallen sind. Trauria ist es immerhiu, dass auch noch bei der Stichwahl 750 Juden sich der Wahl enthielten und die führenden Persönlichkeiten unserer Kultut-geine nde sind von dem Vorwurfe nicht freizusprechen, dass sie zu wenig taten, um diese Indolenz zu beheben. Die allgemeine Wahlbeteiligung betrug nur etwas über 60%. Der Wahlsieg Dr. Baxas ist mit allen Mitteln forciert worden. Man erzählt sogar, dass im letzten Momente dem Baxa"schen Wahlkomitee die nichtzugestellten Legitimationen herausgegeben wurden, die dann „die Schlacht entschieden" Tatsächlich war auch bis 4 Uhr nachmittag die Niederlage des Dr. Baxa sicher und erst in letzter Stunde wendete sich das Blatt. Die jüdische Politik hat eigentlich ihre Niederlage schon bei der Wahl am 14. Mai erlitten. Hätten damals die Juden einem klugen Rate gefolgt und auf den Juugczechen Dr. Klumpar ihre Stimmen konzentriert, so wäre dieser mit Dr» Baxa in die Stichwahl gekommen und dann war der Sieg des Dr. Baxa ausgeschlossen. Damals bedurfte es nur etwa 200 btimmen und Dr. Baxa wäre schon bei der Hauptwahl beseitigt worden. LemÜSrg. (Die zionistischen Abgeordneten.) Unter den in das neugewählte Abgeordnetenhaus einziehenden patlamentarischen Parteien dürfte wohl ein besonderes Interesse der Einzug der zionistischen Partei erwecken, deren Vertreter zum ersten Male auf der parlamentarischen Arena zum Worte gelangen werden. Ueber die Haltung, welcher dieser aus vier Mitgliedern bestehende jüngste und kleinste parlamentarische Klub bei seinem eistdu Debüt beobachten wird, äussert sich der neugewählte zionistische Abgeoidnete und langjährige Führer der galizischen Zionisten Adolf Stand in folgender Weise: „Die neugewählten zionistischen Abgeordneten aus Galizien werden dem Polenklnb nicht beitreten und sich als selbständiger nationaljüdischer Klub konstituieren. In allen sozialen Angelegenheiten wird der Klub mit allen aufrichtig fortschrittlichen und echt demokratischen Parteien des Abgeordnetenhauses zusammengehen und in allen derartigen

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