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Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union · 1907-06-01 · 6/7 (Juni/Juli 1907) · p. Seite 25

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Journal
Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
Volume
19 (1907)
Issue
6/7 (Juni/Juli 1907)
Date
1907-06-01
Page
Seite 25 (sequence 25)
Language
German
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25 und moralischen Schäden, welche die lange währende Sklaverei angerichtet hatte, zu sanieren und Vorsorge zu treffen, dass die bitter arme, heimatlose, politisch ohnmächtige, von allen möglichen Gefahren bedrohte Menschenmasse, nicht in helle Verzweiflung gerate oder durch irgend einen äusseren Anstoss einem kläglichen Untergänge verfalle, sondern ihr Ziel die in Aussicht genommene neue Heimat wohlbehalten erreiche. Diese, obwohl die Hand Gottes sichtlich im Spiele war, sehr schwierige Aufgabe ist durch Moses bis zu einem gewissen Grade gelöst worden. Das Ergebnis war, die in wenigen Jahrzehnten zustande gebrachte Umwandlung loser, zerrütteter, fast aller Existenzbedingungen barer, verwahrloster Stämme in ein Kulturvolk, in eine lebenskräftige Nation. Nach dem Tode des unvergleichlichen Führers ist das Erziehungswerk unterbrochen worden und nach dem Ableben seiner ersten Nachfolger auch der von ihm vorausgesehene Verfall eingetreten, doch der über seine Gegenwart weit hinausgreifende volkspädagogische Plan, dessen Bestandteile verschiedenen Kulturstufen angemessene Erziehungsmittel bilden, ist geblieben und bald mehr, bald minder verstanden, bald in engen, bald in weiten Kreisen von Geschlecht zu Geschlecht in unserem Volke vererbt worden und ist die Quelle seiner sittlichen Kraft gewesen und hat immer wieder und wieder das Lebenselement seiner Verjüngung gebildet. Das ist das geistige Vermächtnis eines vollendeten Universalgenies, mit dem kein Anflug von Hochmut verbunden war, eines Gottgesandten, der sich nur als fehlbarer Mensch gefühlt und nur als Sterblicher betrachtet sein wollte, eines selbstlosen Mannes, der in hervorragendster Stellung weder für sich noch für seine Nachkommen irgend welche Titel oder Vorteile angestrebt hat, des imponierenden, energischen Lehrmeisters, der in einem Hochtale, das gegenüber dem Tempel des von ihm bekämpften Götzens Baal Peon gelegen, seine letzte Ruhestätte aufgesucht, um seine Stämmesgenossen von dem Besuche der einer schamlosen Unzucht gewidmeten Kulturstätte abzuschrecken, des Erleuchteten, dessen Grab allen verborgen geblieben, damit man mit ihm nach dem Tode keinen Kultus treibe, des grössten aller Propheten, der noch über das Leben hinaus seinem Gotte gedient: das ist unsere Thora, darum fliegen, wo man ihren Geist durch Zerstörung der sie darstellenden Schrift treffen will, immer und überall die Lettern auf. Um unsere Auffassung durch ein Gleichnis zu begründen, wollen wir uns eine sehr entfernte Möglichkeit vorzustellen versuchen. Nach einer von Solon herrührenden Ueberlieferung ist, wie Plato erzählt, in unvordenklicher Zeit ein reichbevölkertes Festland, der grosse Inselkontinent Atlantis, in die Tiefe gesunken und von den Fluten des atlantischen Ozeans verschlungen worden. Von den, wie uns mitgeteilt worden, an einem Tage und einer Nacht von den Gewässern weggespülten Menschen, die versunken und vergessen samt allem Habe irgendwo im

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