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Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union · 1907-06-01 · 6/7 (Juni/Juli 1907) · p. Seite 24

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Journal
Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
Volume
19 (1907)
Issue
6/7 (Juni/Juli 1907)
Date
1907-06-01
Page
Seite 24 (sequence 24)
Language
German
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24 Insoweit man es mit dem sie darstellenden Schriftwerke zu tun hat, vermag ja eine in rücksichtsloser Willkür geschäftige Buchkritik alles in den Texten so unsinnig durcheinander zu schieben und so verkehrt hinzustellen, wie es die Tendenz erfordert, ganz anders verhält es sich, wo ihr Wesen selbst der lichtstrahlende Feuergeist des gross und tief angelegten Erziehungsplanes in Betracht kommt, dem beizukommen wird es nie gelingen. Alle ihre Ideen, Gesetze, an zeitgeschichtliche Vorkommnisse, Erscheinungen und Erlebnisse und an Stammeserinnerungen geknüpfte Anordnungen und Ermahnungen zusammengenommen, als ein Ganzes betrachtet, erweist sich die Lehre Moses als ein System, das eine 'Läuterung des Innenlebens gesteigerte Empfänglichkeit zur Erkenntnis der höchsten Wahrheiten und allmälige Erziehung des Israelitenvolkes zum reinsten ethischen Monotheismus bezweckt. Die ganze Zeit seiner Wirksamkeit, das grosse Ziel stets im Auge behaltend, geht der Gottesmann bei der Anleitung seiner Stammesgenossen zur sittlichen Eeligiosität pädagogisch vor. Er trägt dem Fassungsvermögen seiner auf grundverschiedenen Kulturstufen befindlichen Zöglinge und der Lage, den Lebenserfahrungen und der Gefühlsstimmung in angemessener Weise Rechnung, greift immer, den augenblicklichen Erfordernissen entsprechend, bald zur Milde, bald zur Strenge, strebt, dem Guten und Wahren durch richtige Empfindungen und gute Gewöhnungen den Weg zu bahnen, bei allen Weisungen geht seine Richtung von der Anschauung zum Begriff, von der Erfahrung zum Gedanken, vom Konkreten zum Abstrakten. l) Eindrucksvolle Veranlassungen und anschauliche Beispiele werden benützt, um zur Ueberzeugang und Veredlung der Gesinnung zu führen; die Methode geht auf Erweckung der Selbsttätigkeit der Lernenden, auf Einsehen und Erkennen aus. Jeder Zug zeigt, dass man die Zöglinge durch und durch kennt und sehr gut weiss, wovon man mit ihnen reden soll und worüber zu schweigen ist2) und was ihnen zugebilligt werden darf und wovor sie sehr eindringlich gewarnt werden müssen, und obwohl, die zu erwartenden Erfolge der Bemühungen betreffend, keinerlei Illusion vorhanden, erlahmt der Eifer nicht. Und die Lehrtätigkeit und Anleitung hat stattgefunden unter dem steten sorgenvollen Hinblicke auf eine von tausend Wahngebilden betörte, in Blut und Unzucht schwimmende finstere Welt, deren Strömungen Israel in der Wüste nur zeitweilig entzogen gewesen und dabei hatte man auch mit weiten Schichten zu rechnen, die von verschiedener Sittenfäulnis angekränkelt waren und die physischen', intellektuellen 1) Eines der schönsten Beispiele Exodus 15, 22—26. 2) So finden wir in der Thora die Idee der Unsterblichkeit nur angedeutet, nrgends jedoch deutlich geäussert, weil sie dem Volke ohnehin und noch dazu in den betörenden Formen, wie sie die Egypter gehegt, bekannt war und es demnach angezeigt gewesen, die Phantasie nicht unnötig damit zu beschäftige^

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