Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Journal
- Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Volume
- 19 (1907)
- Issue
- 6/7 (Juni/Juli 1907)
- Date
- 1907-06-01
- Page
- Seite 23 (sequence 23)
- Language
- German
- Belongs to
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23 wenn die Alldeutschen dieser von Freisinn unzertrennlichen Forderung ihre Zustimmung nicht erteilen können, so sind sie eben keine freiheitliche Partei und gehören nicht in den Block der Freisinnigen. Auch ein Kompromiss in dem Sinne, dass das freiheitliche Programm die Frage der Gleichberechtigung aller Konfessionen und die Stellung zum Antisemitismus mit Stillschweigen überginge, könnte die Zustimmung der wahren Vertreter des Freisinnes, besonders aber der deutschen Wähler des jüdischen Bekenntnisses, nicht finden Was der Block durch Ausscheidung der Alldeutschen an numerischer Stäike Verliert, würde er an innerer Konsistenz gewinnen. Darum ersuchen wir n< chmals im Interesse der guten fortschrittlichen und freiheitlichen Sache eliens-o bescheiden wie dringend und auf Grund der klar und deutlich ausgesprochenen Ideen des Fortschrittes und der Freiheit, sich zusammenzuschliessen und ni< ht einer abgewirtschafteten Partei zuliebe Prinzipien beiseite zu stellen und dadurch einen schweren Konflikt hervorzurufen. Im Namen der deutschen Wählerschaft jüdischen Bekenntnisses ui d in Vertretung der petitionierenden Kultusgemeinden: D. Spitzer, Kultusvorsteher der Kultusgemeinde Leipnik." Ein Protest gegen Verunglimpfungen unseres Stammes und Glaubens. Abgefasst von Leopold Mandl. IV. »Kennt ihr die alte deutungsvolle Sage? Als Zion sank, da ras't in toller Wut Der Römer, hält im Tempel Lustgelage Und wirft die heilige Rolle in die Glut. Es jauchzt die wilde Horde rachetrunken, Stets zügelloser steigt der Roheit Lauf, Das Pergament zerstiebt in tausend Funken, Die Thora brennt, die Lettern fliegen auf.« ') Eine auf Entkräftung unserer heiligsten Urkunden abzielende Kritik ist seit Jahrzehnten beflissen, sich in den Texten alles auf eine Weise zurechtzulegen, wie es von mutwilligen Kindern bei Hantierungen mit Spielgegenständen zu geschehen pflegt. Was zerlegbar ist, wird zerstückelt, was zerreissbar, auseinandergerissen, war etwas vorn, kommt es nach rückwärts und das Eückwärtige wird nach vorn geschoben, und was dann noch irgend eine natürliche Form verrät, kommt auf den Kopf zu stehen, damit es sich nur nicht anders ausnehme, als man es haben will. Die Hauptangrifie richten sich gegen die Bücher der Lehr«' Moses, gegen die Sammlung von Lehren, Erzählungen, poetischen Gemälden, Geschichtsbildern, Verordnungen und Gesetzen, die in der den Stamm Jakobs umfassenden Eeligionsgemeinschaft seit ihrem Bestehen von Geschlecht zu Geschlecht vererbt wird. Man will die Thora um tausend Jahre verjüngen, um ihr den heiligen Nimbus zu nehmen, das ist jedoch ein vergebliches Vorhaben. ') Aus einer Dichtung von Dr. Moriz Rappaport. S. A.