Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Journal
- Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Volume
- 19 (1907)
- Issue
- 6/7 (Juni/Juli 1907)
- Date
- 1907-06-01
- Page
- Seite 21 (sequence 21)
- Language
- German
- Belongs to
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21 Waren sohin die bei den Landtagswahlen erzielten Erfolge keine übergrossen, blieb doch der Wunsch rege, auch für die Zukunft den Zusammenschluss der mährischen Judenschaft nicht ausser Acht zu lassen, und anlässlich der heurigen Tagung der Delegierten des Mährischen jüdischen Landesmassefondes brachte dessen Vizepräsident Herr Dr. Fialla in Brünn in Vorschlag, dass die einzelnen Kultusgemeinden je einen Delegierten wählen möchten, damit diese fallweise zusammentreten zur Besprechung der gemeinsamen jüdischen Angelegenheiten und Ergreifung erforderlicher Massnahmen zur Wahrung der gesetzlich gewährleisteten, häufig genug aber ausser Acht gelassenen Eechte der mährischen Judenschaft. Durch diesen Zusammenschluss der mährischen Juden soll keineswegs der „Union" in Wien und dem daselbst bestehenden Gemeindebunde Konkurrenz geboten, vielmehr die Tätigkeit dieser beiden Körperschaften für unsere Provinz gefördert und unterstützt werden. Der erstattete Vorschlag fand lebhaften Anklang und über Aufforderung des Präses der Brünner Kultusgemeinde Dr. Fialla wählten von den 51 Kultusgemeinden Mährens weit über 30 den Delegierten, so dass für den 30. v. M. die erste Beratung in Brünn veranlasst werden konnte, an der die meisten Delegierten, bis auf wenige stichhältig entschuldigte, und mehrere Mitglieder der Brünner Kultusgemeindevertretung teilnahmen. Am selben Tage brachte das Morgenblatt des Brünner Organs der deutschen Fortschrittspartei die sensationelle Mitteilung von dem Vorgehen des Iglauer Abgeordneten Dr. Gross gegen die drei in Wien gewählten freisinnigen Abgeordneten, und damit drängte sich von selbst die Politik in den Vordergrund der Diskussion. Dr. Hieronymus Fialla, zum Vorsitzenden der Versammlung gewählt, fand in seiner Eröffnungsansprache scharfe Akzente, um den Scheinliberalismus der deutschen Parteiführer zu geissein, die sich noch immer fortschrittlich nennen, sich aber immer wieder und wieder an die antisemitischen Freialldeutschen herandrängen, an die Charakterhelden, die aus voller Kehle „Los von Eom" schreien und an Bündnissen mit den Christlich-Sozialen keinen Anstoss nehmen. „Die Herren vergessen, wie oft ihnen schon von den Wolfianern die Bundestreue gebrochen und wie ihre Anbiederung mit Fusstritten gelohnt wurde. Mit diesen soidisant- Vertretern des Liberalismus ist ein weiteres Zusammengehen unsererseits ausgeschlossen. Unseren Glaubensgenossen in Leipnik, Weisskirchen und Neutitschein muss volle Anerkennung gezollt werden, dass sie sich Dr. B o d i r s ky als Abgeordneten nicht aufdrängen Hessen und, vor die Wahl zwischen diesem und dem Sozialdemokraten Niesner gestellt, für den letzteren den Ausschlag gaben, zumal den Sozialdemokraten ihr bedingungsloses Eintreten für die freisinnigen Mandatswerber bei den Stichwahlen hoch angerechnet