Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Journal
- Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Volume
- 19 (1907)
- Issue
- 6/7 (Juni/Juli 1907)
- Date
- 1907-06-01
- Page
- Seite 20 (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
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20 politischen Fehler jener Partei innerhalb der Gemeinde, dass sie dem Dr. Ofner einen Gegenkandidaten gegenübergestellt hat und noch dazu einen Mann, den ich zwar persönlich hochschätze und verehre, welcher aber dem Kampfe eine konfessionelle Färbung gibt, die in denselben nicht hineingehört und politisch geradezu zweckwidrig ist. £#> Man hat zur Widerlegung Steudel und Kuranda herbeigezogen. Alle Beispiele hinken bekanntlich. Jene aber von Steudel und Kuranda ganz besonders. Ist Ersterer überhaupt als Protestant gewählt worden? Unter seinen Wählern in Margarethen waren vielleicht nicht fünf, vielleicht nicht ein einziger Protestant. Zu jener Zeit hat man an ähnliche Dinge gar nicht gedacht. Letzterer hatte seine glänzende politische Laufbahn hinter sich, als er ersucht wurde, dem Kultuspräsidium den Glanz seines Namens zu verleihen. Das hat er natürlich nicht abgeschlagen, aber er, der Gründer der „Grenzboten", dieser freiesten und konfessionslosesten aller damaligen Zeitschriften, hätte gewiss das Judentum in dem von mir bezeichneten engherzigen Sinne ganz entschieden abgelehnt. Meine Herren! Ich schliesse. Gerade an die jüdischen Wähler richte ich meinen Appell: Wählet Ofner, öffnet mit seiner Wahl dar besseren sozialen und bürgerlichen Aussicht der Juden eine Gasse!" Zusammenschluss der mährischen Kultusgemeinden. Als vor mehr als Jahresfrist, kurz nach Abhaitung des Brünner Deutschen Volkstages, der die nationale Leidenschaft zur Gluthitze angefacht hatte, überraschenderweise im mährischen Landtage zwischen Deutschen und Tschechen ein nationaler Frieden geschlossen wurde, darauf basierend, dass die feindlichen Brüder bei politischen Wahlen getrennt marschieren, traten über Anregung der Wiener „Union" die Bürgermeister der politischen Judengemeinden und die Kultusvorsteher zusammen und wählten einen Vollzugsausschuss, dessen Beruf es war, den jüdischen Wählern behufs ihrer Eintragung in den einen oder den anderen nationalen Kataster Rat zu erteilen und bei der Auswahl der Landtagskandidaten dahin zu wirken, dass das jüdische Interesse der Gleichberechtigung seine entsprechende Vertretung finde. Der gewählte Ausschuss fand bei der Leitung der deutschen Fortschrittspartei wenig Entgegenkommen, da sie den Wünschen der jüdischen Wählerschaft die angeblich einzig und allein massgebende Autonomie der Bezirkswahlausschüsse entgegenhielt, Insbesonders glückte es nicht, in der Olmützer Handelskammer die Wahl eines alldeutschen Vertreters der Gewerbepartei hintanzuhalten und einen jüdischen Kandidaten durchzusetzen.