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Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union · 1907-06-01 · 6/7 (Juni/Juli 1907) · p. Seite 18

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Journal
Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
Volume
19 (1907)
Issue
6/7 (Juni/Juli 1907)
Date
1907-06-01
Page
Seite 18 (sequence 18)
Language
German
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18 Da fällt in diese Nacht der erste Lichtstrahl; der ungarische Landtag öffnete das Ghetto, die Juden durften unter Christen wohnen. Das war schon ein Grosses, das, wenn auch nur leise und sehr langsam, eine Aenderung in dem Denken der Juden hervorbrachte. Erst von da an wussten sie, woran sie früher nie denken konnten, dass sie Stadt- und Landeskinder wären, erst von da an fingen sie an, sich dafür zu interessieren, was in der Welt um sie herum vorging. Sie kümmerten sich um die Vorgänge im Landtag und der Aussenwelt. Sie gründeten einen Verein und dieser wieder schuf ein in seiner Art und für jene Zeit grosses Institut mit Kinderbewahrungsanstalt, seehsklassiger Knaben- und Mädchenschule mit vernünftiger Leitung. Leise, sehr leise, langsam, sehr langsam, aber doch unverkennbar vollzieht sich eine gewisse Ausgleichung. Und dann kam die plötzliche Aenderung des Jahres 48 über das ganze Reich. Die Juden wurden gleichberechtigte Staatsbürger und selbst die Zeit des Konkordates und der Militärregierung hinderte diese Weiterentwicklung nicht, denn der Druck lastete auf Alle ohne Unterschied der Konfession. Und selbst dieser Druck verhinderte nicht manch merkwürdige Aenderung. In demselben Pressburg werden jetzt drei jüdische Magistratsräte gewählt, vor denen die städtischen Heiducken am Eingange des Rathauses präsentieren. Und dann kam die konstitutionelle Zeit, die Zeit der liberalen Aera, welche tatsächlich in der öffentlichen Meinung den Unterschied zwischen Juden und Christen aufhob. Ignaz Kuranda stand an Genie hinter Mühlfeld, an Schärfe hinter Berger, an Temperament hinter Giskra, aber Niemanden von Ihnen an allgemeiner Popularität in ganz Wien zurück. Und wie im Grossen so auch im Kleinen. Ich bin damals mit noch einem anderen Juden in den Bezirksausschuss gewählt worden und wer den damaligen Bezirksvorstand Konrad Ley und seine Kollegen gekannt hat, weiss, dass dieser ganze Bezirksausschuss aus lauter Urchristen bestand, und in diesem Kollegium verspürten wir, dass die Herren zwischen sich und den zwei Juden wirklich keinen Unterschied empfanden. Das Gleiche war der Fall im Ortsschulrate, in welchem ich damals der einzige Jude war. Und noch weniger konnte ich mich, wenn auch nur in der geringsten Weise, im Gemeinderate unter Fremden fühlen. Wer war denn derjenige, wylcher mich nahezu gezwungen hat, in den Gemeinderat einzutreten? Niemand anderer als Dr. Lueger, der mich, den ihm nur aus seinen Arbeiten bekannten, sonst fremden Mann selbst wiederholt aufgesucht hatte, um ihn zu diesem Eintritte zu bestimmen. Ich darf wohl sagen, dass wir alle jüdischen Gemeinderäte damals im Gemeinderate mit Anerkennung und freundschaftlicher Gesinnung von allen christlichen Kollegen betrachtet worden sind. Und die beste Frucht der gemeinsamen politischen Tätigkeit in den verschiedenen Korporationen, in den Vereinen u. s. w. war offen-

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