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Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union · 1907-06-01 · 6/7 (Juni/Juli 1907) · p. Seite 16

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Journal
Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
Volume
19 (1907)
Issue
6/7 (Juni/Juli 1907)
Date
1907-06-01
Page
Seite 16 (sequence 16)
Language
German
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16 erbracht, dass der nationale Friede nur auf dem Bodeu der bürgerlichen Freiheit zustande kommen kann. Und damit wäre Balm gebrochen zur endlichen Verwirklichung des Programmes Adolf Fischhofs. Die Juden und die christliche Bevölkerung. In dem Kampfe um das Reichsratsmandat im V. Wahlkreise, respektive in den Personen der beiden Kandidaten, welche sich um die Stimmen der jüdischen Majorität in diesen Kreisen beworben haben, hat sich ein Gegensatz gezeigt, dessen Bedeutung über diese Wahl selbst weit hinausreicht und ein soziales Problem berührt, ohne dessen Lösung alle politischen Konzessionen, die ganze den Juden durch das gedruckte Gesetz zugestandene Gleichberechtigung nur eine taube Blüte bleiben muss, im besten Falle nur halben Wert haben kann. In einer Rede, welche Herr Präsident Sigmund Mayer in einer grossen, für die Wahl Ofners einberufenen Wählerversammlung gehalten, hat er diese Frage mutig und, wie die laute und verständnissvolle Zustimmung der jüdischen Wählerschaft gezeigt hat, mit Erfolg angeschnitten. Die in der Rede freimütig zum Ausdruck gebrachte Tendenz muss aber in der ganzen jüdischen Wählerschaft Cisleithaniens durchdringen und wir bringen die Rede daher, um sie einem grösseren Kreise zugänglich zu machen, hier zum Abdruck. Redner führte nach einigen einleitenden Worten folgendes aus: „Gestatten Sie mir, um dies deutlich und einleuchtend zu machen, etwas weit zurückzugreifen. Ich bin in dem strengsten Ghetto geboren und erzogen worden. Von den Zuständen eines solchen Ghetto hat die heutige Generation keinen Begriff mehr. Das war eine Gasse, welche noch allabendlich durch zwei schwere, eiserne Gitter geschlossen wurde, und diese eisernen Gitter waren nicht nur eine physische, sondern durchaus eine geistige und soziale Scheidung. Diese abgesperrte Judengasse und die ganze übrige Stadt waren zwei Welten, die nebeneinander, aber nicht miteinander lebten. Von den wirtschaftlichen Zuständen innerhalb dieses Ghettos will ich hier nicht reden, diese habe ich bei früheren Gelegenheiten geschildert. Ich habe hier nur die geistigen und sozialen Verhältnisse im Auge. Die Ersteren zu charakterisieren genügt Eines: In diesem Ghetto war die grösste talmudische Schule, die grösste Jeschiwah Ungarns, und wenn einer dieser 300 und mehr Talmudschüler ertappt wurde, dass er es versuchte, deutsch zu lernen, wurde er unbarmherzig ausgestossen und musste die Jeschiwah verlassen. Sie können daraus ermessen, wie es da mit Wissenschaft, Literatur und Kunst bestellt war. Aber nicht nur für diese geistigen Interessen fehlte der Sinn, sondern auch für jene Angelegenheiten, welche diese Juden aufs Schärfste betrafen. In Pressburg war der Landtag; in demselben

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