Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Journal
- Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Volume
- 19 (1907)
- Issue
- 6/7 (Juni/Juli 1907)
- Date
- 1907-06-01
- Page
- Seite 15 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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15 selbstaufopfernden Elan geführt hat. Leider ist es nicht gelungen, den forensischen Führer jener Meute, Dr. B a x a, zu werfen, und die Jaden der Prager Altstadt sind von der Schuld an diesem Misserfolg nicht freizusprechen Auf deutscher Seite wurden die Vertreter des Rassen-Antisemitismus Schönerer, Franko Stein und Dr. Schalk aus dem Hause gewiesen, wogegen K. H. W o 1 f sein Mandat aus den Händen der Christlich-Sozialen entgegennahm. Für den Kampf um die Freiheit, um die verfassungsmässige Gleichberechtigung und um den sozialen Fortschritt stehen sonach bereit: Die gewaltige Phalanx der 87 Sozialdemokraten, die deutschen Demokraten Baron Hock, Kuranda, Dr. 0 f n e r und Prof. Redlich, zu denen sich voraussichtlich noch die bisherigen Deutschfortschrittlichen Derne 1, Licht, Günther, Lecher und S k e d 1 gesellen werden, ferner die Jüdischnationalen Dr. Straucher, Dr. M a h 1 e r, Dr. Gabel und Stand, die Parteilosen Dr. Adolf Gross, Breiter und Stark, die 25 Jungruthenen, die drei liberalen Slovenen, dann die freisinnigen Elemente aus dem tschechischen und polnischen Lager. Wir schliessen diese Uebersicht mit der namentlichen Anführung der jüdischen Abgeordneten, Das neue Haus zählt derpn 17, und zwar: den Deutsch-Demokraten Kuranda, den Sozialpolitiker Dr. Ofner, die Sozialdemokraten Dr. E 11 enbogen, Dr. D i a m a n d, Dr. Liebermann, Freundlich, Beer und Dr. Leo Winter, die Jüdisch-nationalen Doktor Strauch er, Dr. M a h 1 e r, Dr. Gabel und Stand, die polnischen Demokraten Dr. Löwenstein, Dr. Kolischer, G a 11 und Dr. Gold und den Parteilosen Dr. Adolf Gross. Die Tatsache, dass eine verhältnismässig so grosse Anzahl von Juden in das neue Parlament gewählt wurde, ist ein evidenter Beweis dafür, dass der Antisemitismus nur in den mittleren und oberen Volksschichten Boden hat, die industriellen Arbeiter aber von grundsätzlichem Judenhasse vollkommen frei sind. Selbst die ruthenischen Bauern, welche bei den Stichwahlen jüdisch-nationale Abgeordnete wählten, haben sich von dieser Seuche freigehalten. Allerdings droht der Sozialdemokratie eine andere Gefahr, welche indirekt auf die Juden zurückwirken könnte. Der Block der 87 Sozialdemokraten ist kein einheitlicher; er besteht aus Deutschen, Tschechen, Polen, Italiener, Ruthenen und Rumänen, und schon haben die tschechischen Sozialdemokraten in einem Manifeste sich von ihren übrigen Genossen national differenziert. Würde der Nationalitätenhader auch die Sozialdemokratie zerklüften, dann wäre zu befürchten, dass auch in ihren Reihen die freiheitlichen Grundsätze gegenüber den nationalen Begehrlichkeiten Schaden leiden würden. Gelingt es ihr aber, die nationalen Gegensätze in ihrem eigenen Schosse zu überwinden, dann wäre damit auch den bürgerlichen Parteien der Weg gewiesen, dann wäre der Beweis