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Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union · 1907-06-01 · 6/7 (Juni/Juli 1907) · p. Seite 14

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Journal
Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
Volume
19 (1907)
Issue
6/7 (Juni/Juli 1907)
Date
1907-06-01
Page
Seite 14 (sequence 14)
Language
German
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14 ehemaligen deutschen Gemeinbürgschaft haben, durch das politische Ferment zersetzt, es nicht einmal zu einer formalen Einigung zu bringen vermocht. Wie hier die Freialldeutschen, mit Herrn Wolf an der Spitze, sich plötzlich aus „Los von Rom "-Stürmern zu treuen Schildknappen des Gessmann'schen Klerikalismus entwickelten, wie sie die Deutschvolklichen und Agrarier mit sich rissen und die Deutschfortschrittlichen zersprengten, ist in frischester Erinnerung. Die Tschechen haben zwar einen einheitlichen Klub zustande gebracht, der in nationalen Fragen geschlossen stimmen will, er besteht aber aus politisch so heterogenen Elementen, dass an ein dauerndes Beisammenbleiben nicht zu denken ist. Das tschechische Volk hat sehr klar und vernehmlich gesprochen, indem es die Jungtschechen auf ein kleines Häuflein reduzierte und an ihre Stelle Sozialdemokraten, Realisten und Nationalsoziale ins Haus entsendete. Es hat damit erklärt, dass es um des nationalen Linsengerichtes willen auf den kulturellen und wirtschaftlichen Fortschritt nicht, verzichten will. Noch deutlicher tritt diese Sinneswandlung der Wähler in dem Ergebnis der galizisch^n Wahlen zutage. Trotz einer auf die spezifischen Bedürfnisse der Schlachta zugeschnittenen Wahlordnung, trotz der ungeheuerlichsten Wahlmissbräuche der Bezirkshauptleute hat es der konservative Flügel des Polenklubs zusammen mit den polnischen Klerikalen nur auf 26 Mandate zu bringen vermocht, während der demokratische Flügel es auf 18 Abgeordnetensitze brachte und die bäuerliche polnische Volkspartei ungefähr in gleicher Stärke wie die Demokraten in das Haus einzieht. Treten die Volksparteiler dem Polenklub bei, dann ist eine Demokratisierung des Klubs unausweichlich; treten sie nicht bei, dann umso schlimmer für die Schlachta. Das charakteristischeste Moment der galizischen Wahlen ist aber das siegreiche Vordringen der Ruthenen, der Jüdischnationalen und Sozialdemokraten, welche sich bei den Stichwahlen tüchtig in die Hände arbeiteten. Die Ruthenen ziehen 30 Mann stark ins Parlament ein, von denen 25 Jungruthenen eine willkommene Verstärkung der freiheitlichen Armee bilden, die Jüdischnationalen haben 3 Mandate und die Sozialdemokraten 7 Sitze erobert. Damit ist die Schreckensherrschaft der konservativklerikalen Partei in Galizien endgiltig gebrochen. Ueberblickt man die Struktur des neuen Hauses, so erkennt man, dass die freiheitlichen Elemente den rückschrittlichen ungefähr die Wage halten, ein erster Erfolg des allgemeinen Stimmrechtes, auf den kaum Jemand zu hoffen wagte. Geht man ins Einzelne ein, so muss vor Allem die Beseitigung Schneiders und Brzesnowskys aus dem Parlamente als eine entschiedene Niederlage des wilden Radau-Antisemitismus auf deutscher und tschechischer Seite bezeichnet werden. Verstärkt wird diese Niederlage noch durch die Wahl Masaryk's, der den Kampf gegen die Polnaer Bluthunde mit bewunderungswürdigem und geradezu

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