Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Journal
- Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Volume
- 19 (1907)
- Issue
- 6/7 (Juni/Juli 1907)
- Date
- 1907-06-01
- Page
- Seite 12 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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12 für die Wahl H o c k' s wussten wir in guten Händen. Die Agitation dort war eine vorzügliche. Aber nicht nur waren wir die Partei K u r a n d a's, wir haben auch auf das Kräftigste bei unseren Glaubensgenossen in Mähren und Böhmen eingewirkt, damit anstatt kernfauler Altliberaler oder Klerikaler Männer wie Masaryk, Redlich und D r t i n a gewählt worden sind. Und es ist schliesslich besser noch gekommen als wir hoffen konnten. Durch die unverhüllte Stellungnahme des Dr. Gustav Gross im Sinne der antisemitischen Bestrebungen hat sich innerhalb der bisherigen Fortschrittspartei eine Spaltung vollzogen, welche der von uns angestrebten neuen Parteibildung geradezu entgegenkommt. Jene Mitglieder der Fortschrittspartei, welche schon längst nach einer reaktionären Stellungnahme gestrebt, haben dieselbe in dem neuen deutschnationalen Verbände gefunden und die wirklich noch freisinnigen Abgeordneten allein gelassen. Diese werden aber nicht allein bleiben, sie werden mit den freisinnigen Abgeordneten Wiens und mit andern, welche, sei es aus eigener Ueberzeugung, sei es im Interesse der Wählerschaft, sich ihnen anschliessen müssen, eine wirklich freisinnige Gruppe mit ausgeprägter sozialpolitischer Tendenz bilden. Allerdings wird diese Gruppe der Zahl der Mitglieder nach noch immer keine grosse sein. Aber was will das sagen: Die werbende Kraft einer Partei liegt nicht in der anfänglichen Anzahl der Genossen, sondern in der Idee, welche mit der Zeit geht, ihr entgegenkommt, sie weiterführt. Die ganze parlamentarische Geschichte Europas ist erfüllt, sie baut sich auf aus den glänzenden Erfolgen solcher anfangs winziger Parteien, die, nicht dem Moment sondern der Zukunft dienend, aus einer unbedeutenden Minorität die herrschende Majorität geworden sind. Wie viele Anhänger zählte John Hampden, als er den Kampf um die Verfassung gegen den zweiten Stuart eröffnete? Nicht mehr, als die Hand Finger zählt. Aus nicht mehr als vier Männern bestand die von Lafayette geführte, Opposition in der chambre introuvable der Restauration. Nicht mehr als fünf Deputierte bildeten unter Jules Favre die Opposition im dritten Kaiserreich. Die ganz gleiche Zahl Unterhausmitglieder war es, welche den Kampf für die Emanzipation der Katholiken in England eröffnete, nicht mehr als zwei Mitglieder unterstützten O'Conell in dem Beginne seines Kampfes für Irland. „Politik", entgegnete einmal Bismarck einem seiner Gegner, einem Professor der Staatswissenschaften, „ist keine Wissenschaft, sondern eine Kunst!" — Das ist gewiss richtig! Und worin besteht diese politische Kunst? Sie besteht darin, dass man die Vergangenheit und die Gegenwart klar erkennt, nicht minder aber auch die Ursachen, welche aus dieser Vergangenheit die Gegenwart haben entstehen lassen, und dass man aus dem Zusammenhange von Ursache und Wirkung die Wege findet, auf denen man