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Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union · 1907-06-01 · 6/7 (Juni/Juli 1907) · p. Seite 11

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Journal
Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
Volume
19 (1907)
Issue
6/7 (Juni/Juli 1907)
Date
1907-06-01
Page
Seite 11 (sequence 11)
Language
German
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11 deutschfortschrittlichen Partei in Mähren daran zu mahnen, wo die Grenzen ihrer Macht liegen. Sie haben die Belehrung nicht verstanden und nicht verstehen wollen, denn wenige Tage später erfolgte durch den mit Hilfe der Iglauer und Trebitscher Juden gewählten Abgeordneten Dr. Gustav Gross jene famose Ausschliessung der Abgeordneten Kur an da und Ofner wegen ihrer Konfession und des Abgeordneten Hock wegen seiner „Hinneigung zur Sozialdemokratie" aus dem deutschen Parteiverbande, um diese Partei für die Christlich-Sozialen bundesfähig zu machen — ein Ereignis, das wie kein anderes je zuvor den reaktionärantisemitischen Grundzug dieser Partei und deren absolute Unfähigkeit zur Vertretung der freiheitlichen Interessen enthüllt. Dieses Ereignis, so wenig es nach der gegebenen historischen Darlegung überraschend sein konnte, ja geradezu einmal erwartet werden musste, ist wohl die glänzendste Rechtfertigung der Politik der „Union", wie sie 1894 in dem vielberührten Memorandum festgestellt und seither von ihr unbeugsam eingehalten wurde. Seit Jahren war die deutschliberale Partei von Stufe zu Stufe gefallen. Wie ein Organ, welches nicht mehr gebraucht wird, schliesslich die Fähigkeit zu funktionieren verliert, so verliert eine politische Partei ihr geistiges Leben, wenn sie den Geist verlässt, aus dem heraus sie geboren worden. In der deutschliberalen Partei vibrierte einzig nur noch der deutsche Nerv, alle anderen Nerven wurden und sind tot. Es muss eine neue Partei kommen, eine wirklich freisinnige Partei, welche das wirkliche gleiche Recht für Alle, ohne den dummen Unterschied der Konfession, den Kampf für den freien Gedanken, die soziale Fürsorge für alle wirtschaftlich Schwachen aufrichtig und ohne Heuchelei zu ihrer Parole, Oesterreich zu einem Kulturstaate macht. Es wäre nicht richtig, diesen Kampf einzig der sozialdemokratischen Partei überlassen zu wollen. Denn auch diese ist, woraus wir ihr gewiss keinen Vorwurf machen, eine „Klassen-" — die „Arbeiter" — Partei, sie denkt und arbeitet für das industrielle Proletariat, sie kann und wird nie das leisten, was wir von der seit Jahren erstrebten Partei verlangen und erwarten. Und jetzt, wo wir bei den gegenwärtigen Reichsratswahlen die Gelegenheit, den Moment für uns sahen, die ersten Männer dieser neuen Partei ins Abgeordnetenhaus zu schicken, haben Juden, brave Leute und schlechte Musikanten, uns zugemutet, den seit lVj Dezennien mit Konsequenz und Ausdauer verfolgten Weg zu verlassen, Männer zu wählen, welche für die alte tote und den Juden feindselige deutsche Partei als Mitglieder derselben kandidierten. Das haben wir natürlich nicht getan. Wir haben selbstverständlich das Gegenteil getan. Wir sind vor allem mit der grössten Entschiedenheit und mit allem Elan, dessen wir fähig waren, für Dr Julius Ofner — Geist von unserem Geiste — ins Feld gezogen, aber wir sind nicht für 0 f n e r allein tätig gewesen. Die Sorge

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