Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Journal
- Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Volume
- 19 (1907)
- Issue
- 6/7 (Juni/Juli 1907)
- Date
- 1907-06-01
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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7 hiebei diesen anderen Parteien als Kompensation hinzuwerfen. Was spielt auch nach ihrer Meinung das Schicksal dieser r/9 Millionen Juden für eine Rolle gegen solche grosse Dinge, wie Trautenau, Cilli usw. Was ist praktisch der böhmische Sprachenstreit? Der kleine Jude in den Kleinstädten, auf den Dörfern in Mähren und Böhmen hat seine und seiner Kinder Existenz vernichtet, hat sich boykottieren lassen, damit, wenn die Söhne der Herren deutschböhmischen Abgeordneten Statthaltereiräte und Bezirkshauptleute werden wollen, diese jungen Herren nicht nötig haben sollen — böhmisch, die Sprache der Majorität im Lande, zu erlernen." Ueber die unmittelbar erforderliche taktische Stellungnahme zu den Land tags wählen äusserte sich der Referent wie folgt „Wir Juden werden, ganz unabhängig vom deutsch-: liberalen Zentral-Wahlkomitee, nur für jen^ Kandidaten stimmen, welche wirklich freisinnig, nicht weil, sondern trotzdem sie deutsch sind. Das heisst, nur für Kandidaten, in denen, wenn sie deutsch sprechen, das vermeintliche deutsche Interesse den Sinn für die Gerechtigkeit noch nicht ersäuft hat und welche in Konsequenz dessen unter allen Um- ständen Recht und Gerechtigkeit höher stellen als alles Andere, welche rücksichtslos die ganze politische Mitarbeit, mag das der Regierung noch so unangenehm sein, versagen, wenn nicht das Gesetz gehandhabt wird, gelte es auch einmal f ü r das Recht der Juden. Das heisst, wir können und werden nur für Kandidaten stimmen, die mit uns den Satz anerkennen: Freiheit und Gleichheit allem voran! Jede Nationalität muss ihr Recht und ihre Entwicklung innerhalb des weiten Rahmens der Freiheit und Gleichheit finden/' Das Referat führt sodann — vor elf Jahren schon! — den überzeugenden Nachweis, dass das allgemeine, gleiche und direkte Wahlrecht unvermeidlich kommen muss und dass gerade in Oesterreich nicht nur wir Juden, sondern mit uns j^der Vernünftige und wirklich Freisinnige für dasselbe sein müsse. „Das allgemeine Wahlrecht muss kommen, muss gebracht werden, denn nur auf diesem Wege kann dem bürgerlichprivilegierten nationalen Sport ein Ende gemacht werden, können die wirklichen Interessen der grossen Bevölkerungsmassen zur Erscheinung und zur Geltung kommen Und weil dem so ist, stellt der Referent als Konklusion den kurzen, lapidaren Satz hin: „Die Kandidaten, für welche die Juden bei den demnächst bevorstehenden Landtagswahlen, dann natürlich und umsomehr bei den bald darauf folgenden Reichsratswahlen stimmen sollen und selbst diejenigen, die von uns in den Gemeinderat gewählt werden wollen, müssten sich also ver-