Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Journal
- Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Volume
- 19 (1907)
- Issue
- 6/7 (Juni/Juli 1907)
- Date
- 1907-06-01
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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5 mitihremLiberalismusnochgewisser naiver Ernst ist. Diese grosse Partei braucht eine Zusammenfassung, eine Organisierung, aber das Material für selbe besteht, die Bewegung lebt, sie ist gesund. Und darum ist hier der Boden für unsere eigentliche Aktion. Hier in der Residenz sind wir im Stande, in den Bezirken, welche heute noch den Liberalen unzweifelhaft gehören oder möglicherweise wieder zu erringen sind, zusammen mit der ganzen liberalen Bevölkerung anstatt der bisherigen Abgeordneten, welche die Einen durch ihr Alter, die Anderen durch ihren alten Standpunkt durchaus des Ruhestandes wert sind, wirklich fortschrittliche, ernst freisinnigeKandidatenin den Reichsrat aufzustellen und bei geschicktem taktischen Vorgehen auch durchzusetzen. Und welche sind diese neuen Ziele und neuen Wege, die instinktiv, namentlich von den Intellektuellen der Bevölkerung, verlangt werden?" Hierüber führt das Memorandum aus: „In der ganzen Zukunft wird keine Partei die führende sein können, welche nicht einen kräftigen Tropfen sozialen Blutes in sich aufgenommen hat. Die Zukunft aber ist es, in der wir Juden erst eine erfreuliche Gegenwart zu finden hoffen dürfen, und wir tun einen Schritt nach vorwärts gegen dieselbe, wir helfen dieselbe schaffen, wenn wir unsere Bestrebung an die Bildung des Kernes einer neuen Partei setzen, welche in ihren letzten Konsequenzen nichts sein wird als die Umbildung der heutigen antiquierten „deutschliberalen" zu einer volkstümlichen, einer sozialliberalen Partei . . . Allerdings, die Partei kann vorerst nur eine kleine sein. Aber wir fragen : durch wen ist unser Interesse im Parlamente besser gewahrt: durch eine grosse Partei, welche sich um die Juden den Teufel schert, für welche diese Juden nur existieren, damit sie zahlen, stimmen und schweigen, oder durch eine noch so kleine Schar von Abgeordneten, die sich ihrer ernstlich, energisch, aufrichtig annimmt? Ihrer annimmt, nicht weil sie Juden, sondern eine Schichte sind, denen ein Unrecht geschieht, die man ihrer natürlichen Rechte berauben will." * * * Dieser Gedankengang des Memorandums wird durch das Referat, das Herr Siegmund Mayer, der gegenwärtige Präsident der „Union", in der Plenarversammlung vom 23. Mai 1896 anlässlich der damaligen Landtagswahlen erstattete, charakteristisch vertieft und erweitert. Er führt aus: „Die deutschliberale Partei hat eine doppelte Insolvenz erlitten. Sie war insolvent geworden als „führende politische Staatspartei" in der bosnischen Frage und insolvent nach innen