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Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union · 1907-06-01 · 6/7 (Juni/Juli 1907) · p. Seite 3

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Journal
Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
Volume
19 (1907)
Issue
6/7 (Juni/Juli 1907)
Date
1907-06-01
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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3 Israelitischen Union14 tatsächlich statt. Bei derselben verlangte der Vertreter der „Union" von dieser Partei, dass dieselbe in ganz entschiedener und prägnanter Weise nicht nur gegen den Antisemitismus Stellung nehme, sondern dass sie auch ihren Vertreter im Koalitionsministerium, Dr. v. P1 e n e r, auffordere, aus der Stellungnahme des Ministeriums ge^en den Antisemitismus eine Kabinetsfrage zu machen. Als eine solche unzweifelhafte Stellungnahme sei irgend eine theoretische ganz nutzlose Erklärung des Ministeriums im Parlamente nicht anzusehen. Die Stellungnahme müsste eine unmittelbar praktische, eingreifende, unverkennbare sein. Die „Union" verlange, dass die Oberlandesgerichts-Präsidenten durch ein Zirkular des Justizministers die „Aufklärung" erhalten, dass gegen die Aufnahme jüdischer Praktikanten in den Gerichtsdienst und bei geeigneter Dienstleistung gegen die Ernennung derselben zu Auskultanten keine Bedenken vorliegen. Sie verlange, dass die Direktion der Staatsbahnen vom Handelsminister daran erinnert werde, dass die Trigonometrie des jüdischen Ingenieurs genau dieselbe ist, wie die des christlichen. Und last not least: die Regierungsvertreter in den politischen Vereinsve! Sammlungen seien vom Minister des Innern durch eine bestimmte, nicht misszuverstehende Instruktion anzuweisen, durch die Haltung gegenüber den antisemitischen Hetzern den Beweis zu liefern, dass das Ministerium Windischgrätz entschlossen sei, die Staatsgrundgesetze nicht nur im Munde zu führen, sondern auch zu halten, und dass es von dem ihm unterstehenden Beamtenkörper das Gleiche verlangt und erwartet. Nach heftigen, langen Debatten folgte geradezu ein Bruch. Die Herren fürchteten durch eine Stellungnahme für die Juden umsomehr für ihre Partei, als sie im Abgeordnetenhause sich und Herrn v. Plener im Ministerium für vollständig machtlos erklärten. Damit war konstatiert, dass die Juden, obwohl sie in Böhmen und Mähren für die deutschliberale Partei die grösste Selbstaufopferung bekundet hatten, obwohl zu jener Zeit die deutsche Majorität im mährischen Landtag einzig und allein von der Verlässlichkeit der Juden in jenen sieben Wahlbezirken abhing, in denen die jüdische Wählerschaft seit Jahren zwischen den Tschechen und Deutschen das Zünglein an der Wage bilden, nichts weiter zu hoffen hätten. Dieser Sachverhalt wurde nach aussen in der allerschärfsten Weise von Herrn Mayer in zwei Artikeln (28. September 1894, 5. Oktober 1894, „Die Koalition und die Juden") markiert und festgestellt. Innerhalb des politischen Komitees der „Union wurde die Situation von Herrn Mayer in einem Memorandum, ddo. Oktober 1894, dargelegt und sodann der in demselben vorgeschlagene neue Weg dem Vorstande der „Union" empfohlen und von diesem akzeptirt. Wir können wohl nicht besser vorgehen, als wenn wir die prägnantesten Ausführungen des Memorandums, die heute noch wie für den gegenwärtigen Moment geschrieben erscheinen, anführen: 1*

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