Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Journal
- Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Volume
- 19 (1907)
- Issue
- 6/7 (Juni/Juli 1907)
- Date
- 1907-06-01
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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2 Plener waren nämlich die Juden zu der schlimmsten aller Situationen, die der völligen Verlassenheit, gelangt. Taaffe hatte sie wiederholt von den Deutschen abzurücken versucht. Sobald sie sich zu diesem Schritte entschliessen konnten, waren sie seiner Liebe, seines Schutzes gegen die Antisemiten sicher. Die Deutschliberalen konnten hinwieder in dem Kampfe gegen Taaffe und die Slaven die Stimmen und die Tätigkeit, der Juden nicht entbehren. Jetzt, im Frieden der Koalition, wurden diese Juden weder mehr von der Regierung, noch den Deutschen gebraucht noch gefürchtet. Das spürten sie nun sofort, sozusagen bis in die Knochen; sowohl in der wohlwollenden Reserve, welche das Koalitionsministerium dem Antisemitismus gegenüber beobachtete und die bei den unteren Behörden geradezu in eine Unterstützung desselben auslief, wie an der eisigen Kühle, welche die Deutschliberalen sofort gegen ihre jüdischen Parteigenossen zeigten. Letztere kalkulierten und scheuten sich nicht, es auszusprechen, dass sie, die Deutschen, die Unterstützung der Juden nicht erst durch Konzessionen und politische Freundschaft zu erkaufen hätten. Die wirtschaftlichen Verhältnisse speziell der kleinen Leute unter den Juden wurden durch diesen, dem Antisemitismus gegebenen freien Spielraum geradezu desolate. In dieser Not der Zeit berief die Oesteireichisch-Israelitische Union eine jüdische Notabeinversammlung zur Beratung darüber, welche politische Taktik für die Zukunft zu empfehlen sei. In dieser Versammlung traten zwei Richtungen zutage. Die eine war vertreten durch den vom Vorstande bestellten Referenten, welcher keinen anderen Antrag stellte, als eine Institution nach dem Muster des Berliner Abvvehrvereines zu schaffen, um auf die christliche Bevölkerung aufklärend einzuwirken Der als Konsiliarius beigezogene vormalige Gemeinderat Siegmund Mayer bekämpft diesen Vorschlag als voraussichtlich ganz erfolglos und wies darauf hin, dass der Antisemitismus ein Politikum sei und auf direkt politischem Wege bekämpft werden müsse. Die letztere Ansicht fand Zustimmung und über Antrag Mayers wurde ein aus weuigen Personen bestehendes, speziell politisches Komitee bestellt, dessen Führung der Antragsteller übernahm Der erste Sehritt dieses Komitees war die prompte Einladung an die massgebendsten Führer der deutschliberalen Partei, von denen wir heute nur zwei bereits Verstorbene, die Abgeordneten Dr. Kopp und Sommaruga, nennen. Das Komitee kalkulierte, dass vor Allem zwischen den Führern der deutschliberalen Partei und dem jüdischen Teile der letzteren Klarheit geschaffen werden müsste. Man musste, bevor man an eine andere Operationsbasis dächte, zweifellos zur Evidenz bringen, ob und inwieweit die jüdische Bevölkerung, die damals noch ganz und durchaus im Lager dieser deutschliberalen Partei stand, von ihr noch Schutz zu erhoffen hätte. Die Konferenz fand im September 1894 in den Räumen der „Oester*.-