Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Journal
- Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Volume
- 19 (1907)
- Issue
- 6/7 (Juni/Juli 1907)
- Date
- 1907-06-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Monatschrift der Oesterreichisch - Israelitischen Union. Nr. 6/7. Wien, Juni-Juli 1907. 19. Jahrgang Die „Qesterreichisch-lsraelitische Union" an die jüdische Wählerschaft, Anlässlich unserer Stellungnahme für die Reichsratskandidatur des Dr. Julius Ofner im fünften Wahlkreise ist in Zeitungen und Versammlungen der Gegenseite gegen die „Oesterreich isch-Israelitische Union" der Vorwurf erhoben worden, dass ihre Politik eines leitenien Grundgedankens entbehre und weniger von sachlichen Erwägungen, als von persönlichen Sympathien und Antipathien beherrscht werde. Das ist wohl die schwerste und empfindlichste Anklage, die eine politische Körperschaft in führender Stellung treffen kann, und wenn sie berechtigt wäre, würde die „Union", respektive deren Vorstand den Anspruch auf diese führende Stellung einfür allemal eingebüsst haben. Wir erachten es daher für unsere Pflicht, durch die folgende pragmatische Darstellung den eingehendsten Nachweis für das direkte Gegenteil zu erbringen. Es soll durch die Tatsachen erhärtet werden, dass die „Union" nicht nur bei den eben zu Ende geführten Reichsratswahlen eine ganz bestimmte, reiflich vorbedachte Aufgabe zu lösen suchte und im Rahmen der gegebenen Verhältnisse auch wirklich gelöst hat, sondern dass ihre ganze politische Wirksamkeit seit dreizehn Jahren konsequent und unbeirrt auf dieses Ziel gerichtet war, welches darin bestand, neben der deutschliberalen Partei, welche allerdings deutsch, aber leider, „nur" deutsch, aber in keiner Weise mehr liberal war, eine wirklich freisinnige Partei zu schaffen. Sowohl zu diesem Nachweise, als zur Motivierung, dass die Schaffung einer solchen neuen Partei geradezu eine Lebensbedingung nicht nur für die Juden, sondern für die politische Gesundung ganz Oesterreichs eine unerlässliche Notwendigkeit ist, muss auf die schier verzweifelte Lage zurückgegangen werden, in welche die österreichischen Juden durch die „Koalition", resp. durch das Koalitionsministerium 1894 geraten waren. Durch die Verbindung der Rechten unter Hohenwart mit der Linken unter 1