Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Journal
- Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Volume
- 19 (1907)
- Issue
- 3 (3.1907)
- Date
- 1907-03-01
- Page
- Seite 32 (sequence 32)
- Language
- German
- Belongs to
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32 Philippson warm eintrat, einstimmig angenommen. Den Plan des Herrn Gottlieb, das lithographische Gewerbe in Jerusalem einzuführen, beschloss man noch einer eingehenden Prüfung zu unterwerfen. Herr Gottlieb, der in diesem Gewerbe viel Erfahrung hat und es für sehr empfehlenswert für den „Bezalel" hält, erklärte sich bereit, eventuell auch einen Teil der Kosten (für die Anschaffung der Maschinen, Steine u. dgl. zusammen zirka 10.000 Mk.) beizusteuern und bestimmte hierfür zunächst die Einnahmen aus dem Verkauf seiner gegenwärtig in Berlin bei Schulte (Unter den Linden) ausgestellten Bilder. Zugleich wurde die Einleitung einer Propaganda zur Gewinnung von Mitgliedern für den „Bezalel" (Jahresbeitrag von Mk. 5.— an) beschlossen. Zahlungen nimmt das Bankhaus Meyer Cohn, Unter den Linden 11, entgegen. Nähere Auskünfte erteilt der Vorstand des „Bezalel", Berlin W. 15, Uhlandstrasse 175, der auf Wunsch auch den Bericht des Komitees kostenlos zukommen lässt. Berlin. (Zentralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens.) Am 24. Februar tagte hier die erste Delegiertenversammlung des Zentralvereines deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens. In erster Linie wurden Organisations- und Propagandafragen beraten; der Vorstand wurde beauftragt, einen neuen Entwurf der Satzungen auszuarbeiten unter Eingliederung der Ortsgruppen (eventuell der Landesverbände von solchen) und der Delegiertenversammlung, welcher der nächsten Delegiertenversammlung unterbreitet werden soll. Den nächsten Punkt der Tagesordnung bildeten die letzten Reichstagswahlen. Der Referent. Dr. Jos. Lewy-Berlin, gab ein ausführliches Bild von der neugeschaffenen Situation und der Wahltätigkeit, die der Verein, soweit es seine Tendenz zuliess, entfaltet hat. Von den meisten Rednern, die sich an der Diskussion beteiligten, wurde dem Referenten darin zugestimmt, dass die Zunahme der antisemitischen Mandate besonders auch aus dem Grunde bedauerlich sei, weil die lokalen Organisationen der linksstehenden Parteien den von den Zentralleitungen ausgegebenen Wahlparolen, keine Stimme den Antisemiten zu geben, in vielen Wahlkreisen unbeachtet gelassen haben. Eine dazu gefasste Resolution richtet an alle deutschen Staatsbürger jüdischen Glaubens das Ersuchen, durchweg — ein jeder in seiner Partei — zu umfassender Bekämpfung des Antisemitismus in die politische Bewegung einzutreten. Weitere Anregungen gingen dahin, gegenüber den vielfach herrschenden Vorurteilen aufklärend zu wirken und die christlichen Mitbürger zu bewegen, aus eigenem Gerechtigkeitsgefühl aktiv für die berechtigten Ansprüche der deutschen Juden einzutreten. St. Petersburg. (Die Juden und dieneueDuma.) Bei den Wahlen zur Duma haben die Juden in Russland, wie sich nun herausstellt, schlecht abgeschnitten. Es sind im ganzen bis jetzt nur drei Juden gewählt worden, und zwar die Herren Rechtsanwalt Abrahamsohn in Kowno, Ingenieur Rabbinowitz in Jekaterinoslaw und der Kaufmann Schapiro in Mitau. Das ist alles. Wilna, Minsk, Witebsk, Gradno und viele andere sichere Wahlbezirke sind den Juden verloren gegangen. In allen grossen jüdischen Zentren sind sie unterlegen. Die besten Männer wie Winawer, Grusenberg, Ostrogorsky, Lewin, Sliosberg werden der neuen Duma fehlen. Und was das Traurigste bei