Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Journal
- Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Volume
- 19 (1907)
- Issue
- 3 (3.1907)
- Date
- 1907-03-01
- Page
- Seite 30 (sequence 30)
- Language
- German
- Belongs to
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80 Budapest. (Eine Vertretung der jüdischen Konfession im Magnatenhaus.) Im ungarischen Abgeordnetenhause gab es am 7. d. M. eine interessante Debatte über die Petition des Komitates Tolna, in welcher verlangt wird, dass der israelitischenKonlession eine o f f izielle Vertretung im Magnatenhause eingeräumt werde. Referent Hermann beantragte namens des Ausschusses, diese Petition abzulehnen, da die jüdische Konfession noch keine Organisation besitze. Demgegenüber beantragt namens der Unabhän'igkeitspartei Abgeordneter Bakonyi unter Hinweis auf die Religionsgleichheit und um darzulegen, dass die Unabhängigkeitpartei nicht einmal den Schein aufkommen lassen wolle, als ob sie nicht die Gleichberechtigung aller Konfessionen anerkennen würde, die Befürwortung der Petition. — Abgeordneter Buz ath führt aus, dass der Wunsch des Komitates Tolna unerfüllbar sei, nicht nur weil die israelitische Konfession nicht organisiert ist, sondern weil ein grosser Teil der Rabbiner in Ungarn nicht eiamal die ungarische Staatsbürgerschaft besitzt, sondern aus Galizien eingewandert ist. — Graf Theodor Batthyany bezeichnet das Verlangen, dass die jüdische Konfession auch im Magnatenhause vertreten sei, als durchaus berechtigt und nimmt den Antrag Bakonyi an. — Abgeordneter Ratka ist der Ansicht, dass keiner einzigen Konfession als solcher eine Vertretung im Magnatenhause gebühre. Nachdem jedoch die anderen Konfessionen im Magnatenhause vertreten sind, gebühre von rechtswegen auch der israelitischen Konfession dieselbe Vertretung. — Gegen den Antrag Bakonyi äussert sich noch Karl Hencz (Volkspartei). — Schliesslich erklärte Abgeordneter Karl U g r o n, dass zu den rezipierten Konfessionen auch die israelitische Konfession gehöre. Es gibt somit keinen Grund, die Rechte, welche die anderen Konfessionen geniessen, nicht auch auf diese auszudehnen. Dass die israelitische Konfession keine einheitliche Organisation besitze, indem es Orthodoxe und Neologen gibt, könne umsoweniger ein Grund sein, die Konfession aus dem Magnatenhause auszuschliessen, weil auch die serbische und rumänische Kirche nicht einheitlich organisiert ist und in zwei Glaubensbekenntnisse zerfalle. — Die Petition wurde hierauf mit Annahme des Antrages Bakonyi der Regierung zum Studium anempfohlen. Der Antrag des Ausschusses wurde abgelehnt. Berlin. (Hilfsverein der deutschen Juden.) Im Saale der Viktoriabrauerei fand die Generalversammlung des Hilfsvereines der deutscheu Juden statt. Aus dem der Generalversammlung vorgelegten und von dieser genehmigten Geschäftsbericht ist folgendes hervorzuheben: Der Hilfsverein der deutschen Juden ist jetzt in sein sechstes Geschäftsjahr eingetreten. Die Zahl seiner Mitglieder ist im letzten Jahre von 9500 auf rund 14.000 gestiegen, die Mitgliederbeiträge und die Spenden für die allgemeinen Zwecke des Vereines haben sich entsprechend von 107.000 auf rund 140.000 Mark erhöht. Von den Arbeiten des letzten Jahres ist zuerst das Hilfswerk für Galizien zu nennen, das der Hilfsverein im Verein mit der Grossloge in Deutschland und dem Hilfsverein für die notleidende jüdische Bevölkerung -zweckentsprechend ausbaut. — In den Ländern des Orients, in Rumänien, Balgarien, der europäischen und asiatischen Türkei sorgt der Hilfsverein der