Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Journal
- Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Volume
- 19 (1907)
- Issue
- 3 (3.1907)
- Date
- 1907-03-01
- Page
- Seite 29 (sequence 29)
- Language
- German
- Belongs to
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29 Gesetz die Behörde verpflichtet, ihm in solchem Falle tätige Beihilfe zu leisten, eine Verpflichtung, über die sich die galizischen Behörden allerdings konsequent hinwegsetzen. Verleumdungen des ..Deutschen Volksblatt". Unsere Leser erinnern sich, dass im letzten Sommer das „Deutsche Volksblatt" in einer Reihe blutrünstiger Artikel eine regelrechte Judenhetze begann, die von der Anklage ausging, ein Milchverschleisser Namens Wasservogel habe eine bei ihm bedienstete Magd Namens Maria Cinka vergewaltigt. Das „Deutsche Volksblatt" war damals mit seinem Verdikt über Wasservogel fertig. Der Staatsanwalt erklärte jedoch nach gepflogener Untersuchung, dass ein Grund zur weiteren strafgerichtlichen Verfolgung nicht vorliegt. Das „Deutsche Volksblatt" etablierte sich wieder als „Rechtskomitee" und betraute nun Dr. Josef Porzer mit der Vertretung der Cinka. Das Landesgericht gab dem Antrage Porzers Folge und ordnete die Einleitung der Voruntersuchung gegen Wasservogel an, die mit der neuerlichen Einstellung des strafgerichtlichen Verfahrens endete. Gegen diesen Beschluss des Landesgerichtes Wien rief Dr. Porzer die Entscheidung des Oberlandesgerichtes an. Dieser Tage nun langte an Dr. Friedrich Elbogen, den Vertreter Wasservogels, die Entscheidung herab, in welcher die — Klägerin eine scharfe Brandmaikung erfährt, denn es wird „angesichts des sittlichen Verhaltens der in einem wesentlichen Punkt direkt der Unwahrheit überwiesenen Zeugin Marie Cinka" ausgesprochen, dass „kein weiterer Grund zur Verfolgung des Beschuldigten" vorliegt. So sehen in gerichtlicher Beleuchtung die unglücklichen „vergewaltigten" Opfer des „Deutschen Volksblatt" aus. Korrespondenzen. Lemberg. (Z i o n i s t i s c h e Reichsratskandidaturen.) Die zionistische Partei kandidiert: In L e m b er g III: Dr. M. B r au de, in B r o d y: Adolf Stand, in Tarnopol: Dr. Isidor S c h a 1 i t, in D r o h ob y c z: Dr. Gerson Zipper, in Buczacz-Zaleszczyki: Rabbiner Gedalje Schmelkes, in Kolomea: Dr. J. T h o n, in S t r yj-K alusz: Dr. A. Salz, in B o b r k a-Z ydaezow: Dr. D. Malz, in Brzezany- R o h a t y n-C hodorow: Dr. Samuel Rapaport. Ferner wurde beschlossen, auch in Krakau, Stanislau, Zolkiewkawa-Sokal, Zloczow, sowie in allen übrigen Städte- und Landbezirben, wo Juden in grösserer Zahl sich befinden, jüdische Kandidaten aufzustellen.