Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Journal
- Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Volume
- 19 (1907)
- Issue
- 3 (3.1907)
- Date
- 1907-03-01
- Page
- Seite 14 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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14 Ist es nicht empörend, dass ein so schamlos lügendes und fälschendes Blatt sich erdreisten darf, den Juden zu insinuieren, ihre Synagoge feiere nicht die Errettung des Volkes vom Untergang, sondern die Erinnerung an die blutigen Greuel! Die Verteidiger des russischen Pogroms wagen es, den Juden Moral und Humanität zu predigen, ihnen den Vorwurf zu macheD, dass „sie heute noch von demselben Geiste feiger Mordlüst und Kachsucht erfüllt sind wie damals"? Diese Frechheit muss gebrandmarkt werden! Die Verehrer Kruschewans, die Spiessgesellen Schneiders, die Hamanisten als — Humanisten, nein, das geht nicht! Ein Protest gegen Verunglimpfungen unseres Stammes und Glaubens. Abgefasst von Leopold Mandl. IL Nicht der schönen Aussicht wegen kreist der Aar hoch in den Lüften, seine Blicke sind dabei auf ein Wesen gerichtet, das er vernichten will. Herr Chamberlain bleibt nicht bei der grauen Theorie, sondern empfiehlt geradezu rücksichtslose Behandlung der Juden und warnt vor Menschenliebe, Humanitätsduselei und Duldsamkeit „an die, wie er sagt, der Jude nur dann appellierte, wenn er sich bedrückt fühlte, die er selber jedoch niemals übte, noch üben durfte, denn sein Gesetz verbot es ihm und verbietet es ihm noch heute." Es muss doch richtig sein, dass Genie und Irrsinn einander gewissermassen verwandt sind! Es wäre sonst unbegreiflich, wie der auf allen Gebieten belesene geniale Mann, über die von Menschenliebe, Humanität und Duldsamkeit durchdrungenen biblischen Fremdengesetze und Normen hinweg, zu einer solchen Behauptung gekommen. Von den Fremden ist ja in der uns heiligsten Urkunde, deren Vorlesung noch heute den vornehmste^ Teil unseres Gottesdienstes bildet, gar oft die Eede und es handelt sich dabei nicht um Eingewanderte, die sich des Schutzes Einheimischer zu versichern gewusst, nicht um irgend bevorzugte Fremde, sondern um die Fremden überhaupt. Dass damit nicht irgend welche Günstlinge oder Schützlinge gemeint sind, zeigt gar deutlich das Gesetz: „Und den Fremdling bedrücket nicht; denn ihr wisset wie dem Fremdlinge zu Mute ist, da ihr Fremdlinge gewesen im Lande Mizrajim" (Exodus 23. 9). In Egypten hat das Israelitenvolk gewiss keine Art begünstigter Fremdlinge gebildet, wie es solche unter den Zugereisten und Eingewanderten in der späteren Zeit in Athen ausnahmsweise gegeben.