Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Journal
- Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Volume
- 19 (1907)
- Issue
- 3 (3.1907)
- Date
- 1907-03-01
- Page
- Seite 11 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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11 Lic. theol. in Dresden, und Nöldecke, Professor der orientalischen Sprachen in Strassburg) haben, unter Eid genommen, nahezu 400 hebräische Texte nicht bloss übersetzt, sondern auch in umfassender Weise erläutert. Und bei dieser ganzen Prozedur haben mit der unvermeidlichen Ausnahme, dass der Geklagte ein Jude ist, nur Christen mitgearbeitet." — „Ein Zufall hat gerade mich in die Lage versetzt, das ganze Materia] genauer zu kennen als irgend ein anderer, und so halte ich es für meine Pflicht, als Mensch, als Christ, als Staatsbürger der Wahrheit, die Ehre zu geben." Dem tatsächlichen Materiale dieses Buches entnehmen wir folgende Daten : Am 18. Oktober 1883 überreichte Rohling beim k. k. Landesgerichte in Wien die Klage gegen Bloch, die dem Geklagten wegen seiner Immunität als damaligen österreichischen Reichsratsabgeordneten erst am 18. März 1884 zugestellt werden konnte. Inkriminiert waren mehrere Artikel der damaligen „Morgenpost", in welchen gegen Rohling nicht nur der Vorwurf der Fälschung, sondern auch der Anbietung zum Meineide ausgesprochen war. Ende Juni 1885 langte das Gutachten der beiden Sich verständigen (190 Bogen stark) beim Gerichte an. Die Gerichtsverhandlung vor den Geschworenen war auf den 18. November 1885 angeordnet und war deren Dauer auf dreizehn Tage in Aussicht genommen. Einige Tage vor der Verhandlung hat nun Rohling, ohne auch nur von dem Sachverständigen- Gutachten Einsicht genommen zu haben, die Klage einfach zurückgezogen. Dadurch hat er den Vorwurf der Fälschung und der Anbietung zum Meineide auf sich sitzen lassen und sich selbst als Fälscher und als Meineidiger in den Augen der ganzen Welt dokumentiert. Was das für die Reputation eines österreichischen k. k Professors zu bedeuten habe, ist leicht zu ermessen. Trotz dieses moralischen Todes haben die in vielen Tausenden von Exemplaren in deutscher und böhmischer Sprache verbreiteten Hetzschriften dieses geweihten Apostels des Antisemitismus das Drachengift des Blutrituals in Böhmen so verbreitet, dass einige Jahre später nur auf diesem mit dem Kunstdünger des Ritualmordes gerade in der böhmischen Landbevölkerung reichlich gedüngten Boden der Justizmord Hilsner möglich war. Durch diese stille Geistesarbeit hat sich Dr. Kopp in der Kulturgeschichte Oesterreichs ein unvergängliches Denkmal gesetzt, das länger währen wird, als alle seine im österreichischen Landtage und im österreichischen Parlamente als Vertreter des Klubs der Liberalen gehaltenen geistreichen Reden. Aber noch ein zweiter Gedanke drängt sich uns bei der Betrachtung der Gestalt des Dr. Kopp auf; der Gedanke des psychologischen und physiologischen Widersinnes des Rassenprob'ems, das leider immer weiteres Terrain in Europa zu gewinnen scheint»