Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Journal
- Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Volume
- 19 (1907)
- Issue
- 3 (3.1907)
- Date
- 1907-03-01
- Page
- Seite 10 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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10 frage nach Akten des Prozesses Rohling—Bloch von Dr. Josef Kopp" (Leipzig, Verlag Klinkhardt 1886) niedergelegt hat. Dieses 200 Seiten starke Buch, welches das riesige, dem hebräischen Schrifttume entlehnte Prozess-Material dem Leser in anziehender deutscher Sprache vorlegt und vorwiegend die aktenmässige Entkräftung mehrerer von dem gelehrten Antisemitenführer Rohling gegen die Juden ausgesprochenen Beschuldigungen, namentlich des sogenannten Blutrituals, zum Gegenstande hat, bleibt ein unvergängliches Denkmal, das sich der Autor in der Geschichte des Judentums gesetzt hat, welches Buch gerade jetzt die vollste Beachtung der gebildeten Kreise verdient, da der Glaube an dieses Eituale in dem vor zwei Jahren vor den Gerichtshöfen in Kuttenberg und Pisek geführten Mädchenmordprozesse gegen Hilsner eine wichtige Rolle spielte und eben desshalb erst in der letzten Sitzung des österr. Reichsrates dem Abgeordneten Dr. Ofner Veranlassung gab, an den Justizminister wegen Wiederaufnahme dieses Prozesses, den er als Justizmord bezeichnete, eine Interpellation zu richten. Von welchen Gedanken diese Arbeit geleitet, von welchem Geiste sie getragen war, ist klar aus der Vorrede zu entnehmen, von welcher wir nur einzelne Stellen herausheben wollen, die wie Lichtstrahlen das ganze umfangreiche, etwas düster aussehende prozessuale Gebäude auch für das minder geübte Auge des Laien erhellen und beleuchten : „Ich habe niemals den Vorsatz gefasst, dieses Buch zu verfassen, sondern nur in der Ausübung meines anwaltschaftlichen Berufes einen Prozess zu führen, dessen gewissenhafte Vorbereitung mich nötigte, umfangreiche mühsame Vorstudien zu machen. Ich war genötigt, soweit es einem Laien möglich ist, mich in der Geschichte der jüdischen religiösen und moralischen Satzungen und in den hauptsächlichsten Quellen der talmudisch-rabbinischen Literatur zu orientieren." — ,.Die Schriften jüdischer Schriftsteller konnten mir aber nicht genügen. Ich suchte ein Korrektiv auch in der gegnerischen Literatur, und zwar zunächst eben in jener Schmutzliteratur , welche indirekt der Prozess hervorrief. Ich verfolgte diese Literatur nach ihren zeitlich vorangegangenen Quellen, musste aber bald erkennen, dass das Korrektiv schlimmer als das zu Korrigierende, das es nahezu unbrauchbar ist, weil zum Teile gemeiner Hass, zum Teile religiöser Fanatismus die Feder führte." — „Mir durfte nicht der gewöhnliche Wunsch des Anwaltes, ein günstiger, äusserer Erfolg des Prozesses als das wichtigste Ziel meiner Arbeit sein. Ich suchte mit aller mir zu Gebote stehender Kraft, mit redlichem Eifer nach Wahrheit. Alles Materiale wurde unter Intervention des k. k. Landesgerichtes in Wien beschafft. Zwei deutsche Gelehrte von europäischem Rufe (Dr. August Wünsche,