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Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union · 1907-03-01 · 3 (3.1907) · p. Seite 9

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Journal
Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
Volume
19 (1907)
Issue
3 (3.1907)
Date
1907-03-01
Page
Seite 9 (sequence 9)
Language
German
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9 die hiesige Leopoldstadt, der andere das Kaiviertel, in dem sich jüngst an einem Abend nieht weniger als v i e r Kandidaten den Wählern vorstellten. Von diesen sind nur zwei ernst zu nehmen : der kaiserliche Rat Wilhelm A n n i n g e r, ehemaliger Präsident der „Oesterreichisch-Israelitischen Union", und der Gemeinderat Dr. Hei n. Hoffentlich kommt noch in letzter Stunde in beiden Wahlkreisen eine Einigung zustande. Es wäre eine Schmach ohnegleichen, diese einzig sicheren Wahlbezirke den Gegnern durch Uneinigkeit auszuliefern." Erinnerungen an Dr. Josef Kopp als Verteidiger des jüdischen Schrifttums vor Gericht. Die Weltgeschichte treibt oft, wie die Welt der Natur, ihre sonderbaren Blüten. In der Natur kommt es nicht selten vor, dass die Biene oder die Laune des Windes den Blütenstaub der einen Blume — mitunter einer Giftblume — in den Kelch einer anderen Blume überträgt, wodurch oftmals gar wunderbare Gebilde, nicht nur Zwitterblüten, sondern kräftige, schöne Gebilde entstehen. Und im Völkerleben ist es keine seltene Erscheinung, dass Männer, die oft zum Heil und zum Segen des Volkes, unter dem sie leben und wirken und dessen Ehre und Stolz sie bis an ihr Lebensende bilden, oft einem ganz anderen Volke entstammen, das sich Jahrhunderte lang mit dem gepriesenen Volke befehdete, Zu dieser Betrachtung gibt uns die eben im Alter von 80 Jahren verblichene Gestalt des Dr. Josef Kopp, emer. Advokaten in Wien und vieljährigen Vertreters der Stadt Wien im niederösterreichischen Landtage und im österreichischen Parlamente, gerechte Veranlassung. Dieser Vertreter des Kernstammes des deutschen Volkes in Oesterreich, den die deutschen Wiener Journale als einen geborenen Wiener für sich usurpierten, war aber, wie Brünner Blätter meldeten und wie wir aus ganz verlässlicher Quelle erfahren, ein geborener Slave, und zwar ein Mährer, eines Lehrers Sohn aus Deblin bei Tischnowitz, einem ausschliesslich slavischen Bezirke, wo auch sein jüngerer Bruder viele Jahre als Lehrer der Volksschule in Deblin und sein Onkel als Lehrer in Lomnitz bei Tischnowitz, Besitz des Grafen Serenyi, wirkten und wo Dr. Joset Kopp zum letztenmale im Jahre 1894 bei dem Leichenbegängnisse seines Bruders erschien. Aber nicht nur diese gewiss auffallende Tatsache sei hier registriert, sondern die noch merkwürdigere historische Tatsache, dass Dr. Kopp im Jahre 1884 der Anwalt des Dr. Bloch, damals Bezirks- Rabbiners in Floridsdorf, in seinem bekannten Prozesse gegen Rohling war und dass er das ganze Material dieses Prozesses von welthistorischer Bedeutung in einem umfangreichen Buche „Zur Juden-

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