Mannheim
Compact Memory

Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union · 1907-03-01 · 3 (3.1907) · p. Seite 6

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
Volume
19 (1907)
Issue
3 (3.1907)
Date
1907-03-01
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/9756662-9603764-9603798--1648-9603804
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

6 irgend eines unreellen Vorgehens darf sich an ihre Fersen heften. Rein und frei, hell und blank muss ihr Schild sein, denn ihre Ehre ist die Ehre des Judentums. (Stürmische Zustimmung.) In diesem Sinne mögen Sie, meine Herren, entscheiden und ich stelle mich gerne dem öffentlichen Wohle zur Verfügung, wenn sich Ihr Vertrauen mir zuwenden sollte. (Lebhafter, anhaltender Beifall.) Dr. Oskar Hein: Der Herr Referent hat eine Reihe von Bedingungen aufgestellt, die nach Ansicht des Vorstandes der „Union" der Kandidat für das Kaiviertel zu erfüllen hat. Der erste Punkt war : Eintreten für die Ehre des Judentums. Ich kann nachweisen, dass ich diese Bedingung: seit zwanzig Jahren erfülle. Redner berichtet über seinen Kampf gegen Schönerer, Türk und Schneider, deren Beschimpfungen und Verleumdungen gegen die Juden er in Broschüren, Flugschriften und offenen Briefen in energischester Weise zurückgewiesen habe. Redner kommt weiters auf seine Tätigkeit in der Bezirksvertretung der Inneren Stadt zu sprechen, wo er trotz oder gerade wegen seines unerschrockenen Eintretens für die Interessen der Juden sich stets sogar der Achtung seiner antisemitischen Gegner erfreut habe. Wollte er über sein Wirken im Gemeinderate sprechen, so würde es an der Zeit mangeln, um auch nur einen kurzen Abriss zu geben. Er wolle nur kurz seine Interpellationen wegen Uebergehung der Juden im Armenrat des ersten Bezirkes, die er gleich in der ersten Sitzung, der er beigewohnt, gestellt habe, seine Interpellation wegen der Donaustadtrede des Bürgermeisters, seine Rede über die Schächtfrage erwähnen und verweist auf seine zahlreichen Bidgetreden, wo er stets betont habe, dass es die Ehre gebiete, solange in schärfster Opposition zu stehen, als der Gemeinderat den Grundsatz der Gleichberechtigung mit Füssen trete. Redner schliesst: „Ich appelliere an die Wählerschaft, den Kandidaten zu wählen, den sie für den geeignetsten hält. Der Mann, der das Kaiviejtel vertritt, muss ein tadelloser Charakter, ein Mann der ernsten Arbeit sein. Er muss in der einen Hand die Kelle, in der anderen das Schwert führen. Die Kelle, um mitzuhelfen bei dem Ausbau des modernen Staates, das Schwert, um perfide Angriffe zurückzuweisen." (Lebhafter Beifall.) Dr. Viktor Rosenfeld stellt sich der Wählerschaft als Kampfkandidat vor. Wohl könne er noch nicht auf eine langjährige politische Tätigkeit verweisen, aber das halte er für se neu giössten Vorteil. Er sei noch nicht abgebraucht und stelle seine ganze frische ungenützte Kiaft in den Dienst des Judentums, das sein eigen Fleisch nnd Blut ist. Er ist immer für die Schwachen und Unterdrückten eingetreten und wird auch stets am Platze sein, w^nn es sich darum handelt, Angriffe gegen die Juden nachdrücklich und kraftvoll zurückzuweisen. Aber wir haben die Wahl noch nicht in der Tasche, Wenn er trotzdem als dritter Kandidat auftritt, dann geschieht das nur mit dem heiligen Versprechen, zurückzutreten in dem Augenblicke, wo die Möglichkeit einer Einigung gegeben. (Stürmischer Beifall.) Dr. Heinrich Schreiber hat gleichfalls seine Kandidatur angemeldet, wobei er sich von der Ueberzeugung hat leiten lassen, dass die Leere, die im Parlamente heirscht, ausgefüllt werden mtsse, der Wahlwerber müsse in erster Reihe Jude sein, und was energisches Eintreten für alle jüdischen Interessen betrifft, glaube er, für seine Kandidatur eine hinreichende Legitimation zu besitzen. Er wolle auch heute nicht sein wirtschaftliches Programm entwickeln, denn dazu werde sich noch passendere Gelegenheit finden. Hier will Redner bloss daran erinnern, dass er allen Betätigungen des jüdischen Lebens die regste Aufmerksamkeit und Anteilnahme gewidmet, mit der Not seiner Brüder stets mitgefühlt habe und dass er auf jedem Posten, auf welchen er durch das Vertrauen seiner Mitbürgerr gestellt werden wild, ein Streiter und Kämpfer sein werde für die Sache des Judentums. (Lebhafter Beifall.)

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.